Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Allgemeine Verhaltens- und Ernährungsforschung zum Gewichtserhalt nach Abnahme; Lehrbuch- und Übersichtswissen zur Rückkehr des Gewichts bei Rückkehr der alten Umstände sowie zur Rolle von Rückmeldung und Gewohnheit; keine gerätebezogenen Studien und keine erfundenen Zahlen
Wer sein Zielgewicht erreicht, hat das Abnehmen hinter sich, aber nicht die Sache selbst: Jetzt beginnt das Halten, und das ist eine eigene Aufgabe. Sie verläuft anders als das Abnehmen, denn der sichtbare Fortschritt fällt weg, der bis dahin angetrieben hat: Die Zahl soll nun gleich bleiben, nicht mehr sinken. Das Gewicht kommt vor allem dann zurück, wenn das, was zum Ziel geführt hat, nur auf Zeit gedacht war und mit dem Ziel endet; mit dem alten Alltag kommt das alte Ergebnis zurück. Der Blick verschiebt sich: weg vom Abnehmen mit festem Enddatum, hin zu einer Art zu leben, die keines braucht, und dann zählt nur, was man auch weiterführen würde, ohne es als Verzicht zu empfinden. Wo das Essen den Alltag beherrscht oder eine Niedergeschlagenheit bleibt, endet das Thema dieses Textes und beginnt ein Fall für ärztliche und psychotherapeutische Hilfe.
Die Waage zeigt die Zahl, auf die man monatelang hingearbeitet hat, und statt eines Schlusspunkts steht dort eine Frage. Was jetzt? Der Plan hatte ein Ziel, und mit dem Ziel schien alles geregelt: so weit abnehmen, dann ist es geschafft. Am Tag danach merkt man, dass nichts geschafft ist. Etwas anderes fängt gerade erst an, und der Körper kennt keine Ziellinie. Er hält die neue Zahl nicht von allein, nur weil man sie erreicht hat.
Was kommt nach dem Ziel?
Nach dem Ziel kommt das Halten, und es ist eine eigene Aufgabe, die anders verläuft als das Abnehmen. Das Abnehmen hat eine Richtung und ein Ende. Man arbeitet auf eine Zahl zu, und eines Tages steht sie da. Das Halten hat keine solche Marke. Es ist der Zustand, in dem man bleibt, und er fragt nicht danach, ob das Vorhaben in der eigenen Vorstellung abgeschlossen war. Hier steckt der Denkfehler, der den meisten das erreichte Ergebnis wieder nimmt. Das Ziel ist kein Ende, sondern der Beginn einer Aufgabe, die bleibt. Wer es als Schlusspunkt setzt, hört genau dort auf, wo das Schwierigere anfängt.
Warum kommt das Gewicht zurück, wenn man am Ziel aufhört?
Weil vieles, was zum Abnehmen gedient hat, als vorübergehende Maßnahme angelegt war und mit dem Ziel endet. Man isst eine Weile weniger, streicht bestimmte Dinge, hält einen strengen Plan, wohl wissend, dass er auf Zeit angelegt ist. Das trägt bis zur Zahl. Danach kehrt zurück, was vorher galt, weil es nie als Bleibendes gedacht war. Mit den alten Umständen kommt das alte Ergebnis. Der Körper reagiert dann nur auf das, was wieder gilt, so wie er vorher darauf reagiert hat. Dazu drängt er nach einer Abnahme ohnehin darauf, das Verlorene zurückzuholen; das ist an anderer Stelle beschrieben. Trifft dieser Druck auf einen Alltag, der wieder der alte ist, hat das Ergebnis wenig, woran es sich halten könnte.
Was unterscheidet das Halten vom Abnehmen?
Beim Abnehmen bewegt sich etwas, beim Halten soll sich nichts bewegen, und das ist schwerer auszuhalten, als es klingt. Wer abnimmt, bekommt Rückmeldung. Die Waage geht nach unten, die Kleidung sitzt anders, und jeder dieser Belege gibt einen kleinen Schub. Es gibt eine Richtung und ein sichtbares Vorankommen. Beim Halten fällt das weg. Die Zahl soll gleich bleiben, also zeigt sie keinen Fortschritt mehr. Man soll einen Zustand bewahren, und das Bewahren belohnt sich nicht von selbst. Man tut dasselbe wie in den Wochen davor und sieht dafür nichts. Diese Leere ist der Grund, warum vielen das Halten schwerer fällt als das Abnehmen, obwohl es weniger verlangt. Der Antrieb, der aus dem sichtbaren Fortschritt kam, ist mit dem Ziel versiegt, und übrig bleibt ein Tun ohne sichtbaren Lohn.
Wie verschiebt sich der Blick vom Abnehmen zum Leben?
Der Blick verschiebt sich, wenn aus einem Vorhaben mit Enddatum eine Art zu leben wird, die kein Enddatum braucht. Solange das Ziel „abnehmen” heißt, ist alles darauf ausgerichtet, an einen Punkt zu kommen. Ist der Punkt erreicht, fehlt die Ausrichtung. Der Alltag fällt in seine alte Form zurück. Der andere Blick beginnt dort, wo der erste aufhört: Er nimmt die erreichte Zahl als gegeben und fragt, wie ein Alltag aussieht, in dem sie von selbst steht. Das klingt nach einer Kleinigkeit und ändert alles. Es heißt, dass nur zählt, was man auch in einem Jahr noch tun würde, ohne es als Verzicht zu empfinden. Eine Maßnahme, deren Ende man kaum erwarten kann, wird man beenden, und mit ihr geht das Ergebnis. Was bleibt, ist das, was ohnehin weiterläuft. Deshalb ist die entscheidende Frage beim Halten, wie lange man einen Plan führen könnte, ohne dass er einen aufreibt.
Warum führt ein festes Zielgewicht in die Irre?
Weil das Gewicht auch im Halten schwankt und eine einzelne Zahl diese Schwankung nicht abbildet. Der Körper wiegt an keinem Tag genau dasselbe. Wasser, Salz, der Zyklus, die letzte Mahlzeit: Vieles bewegt die Zahl um ein, zwei Kilo, ohne dass sich am Fett etwas geändert hätte. Wer eine feste Marke zum Maßstab macht, liest jede Bewegung nach oben als Rückschlag und jede nach unten als Auftrag, noch weiter zu gehen. Beides führt in die Irre. Aus dem Halten wird ein ständiges Nachjustieren an einer Zahl, die von Natur aus wandert. Ruhiger fährt, wer sich einen kleinen Bereich als sein Gewicht zugesteht. Ein einzelner Punkt ist zu eng für einen Körper, der täglich anders wiegt. Innerhalb des Bereichs ist nichts zu tun; erst wenn er über Wochen verlassen wird, lohnt der Blick darauf, was sich im Alltag verschoben hat.
Grenzen
Dieser Text beschreibt, warum das Erreichen des Zielgewichts eine neue Aufgabe eröffnet und wie sich der Blick darauf ändern lässt. Er sagt nicht, welches Gewicht für Sie das richtige ist, denn das hängt an Körperbau, Vorgeschichte und ärztlicher Einschätzung, nicht an einer allgemeinen Zahl. Er nennt auch keinen Plan, mit dem sich ein Gewicht im Einzelnen halten lässt; wie ein Alltag aussieht, der trägt, ist bei jedem anders.
Wo das Essen die Richtung verliert, endet das, was hier steht. Ein Kreisen der Gedanken um jedes Gramm, ein Wechsel aus Anfall und Hungern, ein Gewicht, das ärztlich als krankhaft gilt, eine Niedergeschlagenheit, die über Wochen bleibt: Das sind Erkrankungen. Mit dem richtigen Blick aufs Ziel haben sie nichts zu tun. Dafür gibt es ärztliche und psychotherapeutische Hilfe. Ein Angebot haben wir dafür nicht.
Unsere Einschätzung
Für die Frau, die abnehmen will, ist das Zielgewicht der Moment, auf den alles zuläuft, und zugleich der Moment, an dem die meisten das Ergebnis wieder verlieren. Das geschieht selten aus Versagen. Es geschieht, weil ein Ende gefeiert wird, wo keines ist. Der Plan endet mit der Zahl, das Leben aber geht weiter, und in dieses Weiter fällt das Ergebnis zurück, wenn nichts es hält.
An diesem Punkt entscheidet sich, ob von einer Veränderung etwas bleibt, und die Entscheidung fällt erst nach dem Ziel. das Halten sieht man gar nicht, es geschieht in den Wochen, in denen scheinbar nichts passiert. Genau darin liegt seine Schwere. Wer das weiß, bevor die Zahl erreicht ist, rechnet das Danach ein und steht am Zieltag nicht vor einer Frage, mit der er nicht gerechnet hat.
Häufige Fragen
Ist man mit dem Zielgewicht nicht fertig?
Nein, mit dem Zielgewicht beginnt das Halten, und das ist eine eigene Aufgabe. Das Abnehmen führt zu einer Zahl. Das Halten bewahrt sie über die Zeit, ohne dass sich dabei noch etwas sichtbar bewegt. Wer die erreichte Zahl als Abschluss nimmt und zum alten Alltag zurückkehrt, bekommt meist auch das alte Gewicht zurück.
Warum fällt das Halten schwerer als das Abnehmen?
Weil die sinkende Zahl beim Abnehmen zweierlei war: ein Lohn und eine Auskunft. Sie zeigte einen Erfolg und bestätigte zugleich Tag für Tag, dass man auf Kurs liegt. Beim Halten bleibt die Zahl gleich, ob man an einem Tag genau richtig lag oder etwas zu viel hatte. Man macht weiter und erfährt nicht mehr, ob es genügt. Diese Ungewissheit macht das Halten zäh.
Muss ich für immer Diät halten, um das Gewicht zu halten?
Nein, eine Diät auf Zeit wäre sogar das Gegenteil dessen, was trägt. Was hält, ist ein Alltag, den man führen kann, ohne ihn als Verzicht zu erleben. Eine strenge Diät ist auf ein Ende angelegt und endet auch; mit ihrem Ende kommt das Gewicht zurück. Sinnvoller ist ein Maß, das man nicht beenden möchte, weil es sich nicht wie eine Ausnahme anfühlt.
Was, wenn das Gewicht nach dem Ziel wieder leicht steigt?
Ein leichtes Schwanken ist normal und noch kein Rückfall. Der Körper wiegt an keinem Tag genau gleich, und ein, zwei Kilo hin oder her sagen wenig über das Fett. Erst wenn das Gewicht über Wochen einen kleinen Bereich verlässt, lohnt der Blick darauf, was sich im Alltag verschoben hat. Ein einzelner höherer Morgen ist kein Anlass zum Gegensteuern.
Wie lange dauert es, bis sich das Halten von selbst einstellt?
Das lässt sich nicht in Wochen angeben und hängt daran, wie weit der neue Alltag schon zur Gewohnheit geworden ist. Solange die Abläufe noch Aufmerksamkeit kosten, ist das Halten Arbeit. Je mehr sie von allein laufen, desto weniger spürt man es als Anstrengung. Einen festen Termin, an dem es gesichert ist, gibt es nicht.