Fluss

Wie transportiert der Körper abgestorbene Zellen ab?

Abgestorbene Zellen verlassen den Körper über ein Leitungsnetz ohne eigene Pumpe, das erst Bewegung und Atmung in Gang setzen.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer, Kapitel Herz-Kreislauf-System (Mikrozirkulation und Lymphgefäßsystem)

Abgestorbene Zellen verlassen das Gewebe über das Lymphsystem, ein zweites Leitungsnetz neben den Blutgefäßen. Dieses Netz hat keine eigene Pumpe; der Strom entsteht allein durch Druck von außen, also durch Muskelbewegung, den Puls der Arterien und die Atmung. Deshalb treiben Bewegung und Atmen den Abtransport an, und deshalb ist morgendliches Aufgeschwemmtsein Wasser und nicht Fett. Fresszellen zerlegen die Zellreste, die Lymphe führt die Bruchstücke zu Filterstationen und von dort zurück ins Blut. Auf demselben Weg räumt der Körper die Fettzellen fort, die an der Tür durch Kälte zugrunde gehen.

Ihr Körper tauscht ständig Zellen aus, und die alten müssen fort. Dafür gibt es ein zweites Leitungsnetz neben den Blutgefäßen, und dieses Netz hat keinen Motor. Es heißt Lymphsystem. Was darin liegt, bewegt sich nur, solange von außen Druck darauf wirkt: wenn ein Muskel sich anspannt, wenn eine Arterie daneben pulsiert, wenn sich beim Einatmen der Brustkorb hebt. Steht der Körper still, steht auch die Fracht.

Wie kommen abgestorbene Zellen aus dem Gewebe heraus?

Sie werden von feinen Leitungen aufgenommen, die überall zwischen den Zellen blind beginnen und einsammeln, was die Blutgefäße nicht zurücknehmen. Das Blut gibt an jeder Stelle Flüssigkeit und Eiweiß ins Gewebe ab und holt den größten Teil wieder ein. Ein Rest bleibt liegen. Etwa die Hälfte des Eiweißes, das aus den feinsten Blutgefäßen austritt, kommt über die Blutbahn nicht zurück und kann nur über die Lymphe abfließen. schmidt-lang-physiologie Mit diesem Rest wandern Zelltrümmer, Stoffwechselprodukte und Teilchen, die von außen in den Körper geraten sind, etwa feiner Staub aus der Atemluft. Die feinsten dieser Leitungen haben eine besonders dünne Wand, durch die auch größere Bruchstücke eintreten, die in die Blutgefäße nicht zurückpassen. Feine Fäden verankern sie im umliegenden Gewebe. Schwillt das Gewebe an, ziehen diese Fäden die Wand auf, sodass die Leitung gerade dann mehr aufnimmt, wenn mehr Flüssigkeit anfällt. Rund zwei Liter dieser wasserklaren Flüssigkeit entstehen an einem Tag. Man nennt sie Lymphe, und die Leitungen, die sie führen, Lymphgefäße. Sie enthält dieselben Eiweiße, die auch das Blut gerinnen lassen; steht sie außerhalb des Körpers, gerinnt sie ähnlich.

Was zerlegt eine abgestorbene Zelle, bevor sie fortgeschafft wird?

Fresszellen umschließen sie an Ort und Stelle und verdauen sie, und die Bruchstücke wandern mit der Lymphe weiter. Diese Fresszellen, die Makrophagen, sind darauf eingerichtet, abgestorbenes Material und Fremdkörper aufzunehmen. Stirbt eine Zelle geordnet, räumt der Körper sie fast unbemerkt weg. Wird Gewebe stärker geschädigt, zieht das mehr Fresszellen an, und die Aufräumarbeit wird zu einer kleinen Entzündung, an der sich die Reste sammeln. Was übrig bleibt, trägt die Lymphe zu den Lymphknoten, den kleinen, bohnenförmigen Filtern, die jede Körperregion besitzt. Dort wird die Flüssigkeit gereinigt, bevor sie am Ende wieder ins Blut übergeht. Auf genau diesem Weg räumt der Körper auch dort auf, wo an der Tür Fettzellen durch Kälte zugrunde gegangen sind. Er baut sie über Wochen ab und schafft die Reste über die Lymphe fort. Das braucht Zeit, weil der Körper das Material in kleinen Portionen abträgt und nicht am Stück, so wie er es mit jedem anderen Zellabfall hält. Was mit diesen Fettzellen im Einzelnen geschieht, ist ein eigenes Thema.

Was treibt den Strom an, wenn es keine Pumpe gibt?

Druck von außen, und sonst nichts. Jede Muskelanspannung drückt die Leitungen zusammen, der Puls der benachbarten Arterien tut dasselbe, und die Bewegung des Atems presst die Lymphe im Rumpf weiter. Kleine Klappen in den Gefäßen lassen sie dabei nur in eine Richtung durch; zurück kann sie nicht. Die größeren Leitungen ziehen sich in ihrer Wand zwar in langsamem Takt zusammen. Eine zentrale Pumpe wie das Herz, die alles antreibt, gibt es trotzdem nicht; den Hauptteil der Arbeit leistet der Druck von außen. schmidt-lang-physiologie Wer sich bewegt, treibt den Strom kräftig an. Durch Muskelarbeit steigt er auf ein Mehrfaches dessen, was in Ruhe fließt. schmidt-lang-physiologie Wer lange sitzt oder steht, ohne die Beine zu bewegen, verlangsamt ihn, und Flüssigkeit sackt nach unten. An einem Tag am Schreibtisch bewegt sich wenig, an einem Tag auf den Beinen ein Vielfaches davon.

Warum schwellen die Beine, wenn Sie lange stehen?

Weil die Schwerkraft die Flüssigkeit nach unten zieht und im Stehen der Antrieb fehlt, der sie wieder nach oben schafft. Dieser Antrieb sind die Muskeln der Waden. Solange Sie stehen, ohne sie zu bewegen, drückt nichts die Leitungen zusammen, und in den Beinen sammelt sich Flüssigkeit. Am Abend sitzen die Schuhe enger als am Morgen. Sobald Sie gehen, arbeiten die Waden wie eine Presse, und der Strom läuft nach oben an. Gegen schwere Beine nach einem Tag im Stehen hilft darum vor allem eines: sich zu bewegen.

Warum reist das Fett aus einer Mahlzeit zuerst durch die Lymphe?

Das Fett aus einer Mahlzeit nimmt zum größten Teil die Lymphe der Darmwand auf, lange bevor es ins Blut gelangt. In der Wand des Dünndarms beginnen dieselben feinen Leitungen wie im übrigen Gewebe, und das aus der Nahrung aufgenommene Fett wandert dort hinein. Die Lymphe wird davon milchig trüb. Nur ein kleiner Teil, die kurzkettigen Fette, geht auf direktem Weg ins Blut. Zucker und Eiweißbausteine aus derselben Mahlzeit nehmen einen anderen Weg und fließen über das Blut zuerst zur Leber. Das Fett umgeht diese Station und erreicht den Kreislauf erst in der Nähe des Herzens. Das zeigt, dass dieses Netz nicht allein Abfall bewegt. Es transportiert auch Fracht, die der Körper braucht, und in beide Richtungen. Transport ist sein eigentlicher Zweck.

Warum sind Sie morgens aufgeschwemmt, obwohl sich am Gewicht nichts geändert hat?

Weil über Nacht kaum etwas den Abtransport antreibt und sich Flüssigkeit im Gewebe sammelt, Wasser und nicht Fett. Im Liegen fehlt die Muskelarbeit, der Strom wird langsam, und das Eiweiß, das die Lymphe sonst abführt, hält dabei Wasser im Gewebe zurück. So staut sich im Gesicht und an den Händen etwas an. Über den Vormittag, sobald Sie in Bewegung sind, läuft der Abtransport wieder an, und die Schwellung geht zurück. Salzreiches Essen und ein langer Flug wirken in dieselbe Richtung: Sie binden mehr Wasser im Gewebe, und der langsame Strom braucht länger, es wieder loszuwerden. Die Fettmasse schwankt nicht über eine Nacht. Wasser schon, und zwar um einiges.

Wohin fließt die Lymphe am Ende?

Sie sammelt sich in immer größeren Leitungen und mündet zurück ins Blut. Aus dem ganzen Unterkörper und der linken Körperhälfte läuft sie in einen Hauptstrang, der durch das Zwerchfell nach oben zieht und in der Nähe des Herzens ins Blut übergeht. Vorher passiert sie mindestens einen Lymphknoten. Die Lymphe der rechten oberen Körperhälfte bleibt davon getrennt und mündet über einen eigenen kurzen Strang nahe dem rechten Schlüsselbein ins Blut. Damit schließt sich der Kreis: Was das Blut ins Gewebe abgibt und dort zurücklässt, kehrt über die Lymphe zum Blut zurück.

Was passiert in den Filterstationen?

In den Lymphknoten strömt die Lymphe langsam durch ein weit verzweigtes Hohlraumsystem und wird dabei gereinigt. Die vielen Verzweigungen bremsen den Fluss, sodass Zelltrümmer und Fremdstoffe hängen bleiben und dort aufgefangen werden. Jede Körperregion hat ihre eigenen Knoten. Ein Mensch trägt einige Hundert davon in sich, die meisten am Hals, in den Achseln und in der Leiste. Keine Lymphe erreicht das Blut, ohne vorher mindestens einen davon zu durchlaufen, und was durchkommt, ist gefiltert. Deshalb fließt die Lymphe auf ihrem ganzen Weg langsamer als das Blut; das Reinigen braucht Zeit, während beim Blut das Transportieren im Vordergrund steht.

Grenzen

Dieses Netz bewegt Flüssigkeit und Zellreste, keine Fettmasse. Wer den Lymphstrom antreibt, verschiebt für kurze Zeit den Wasserhaushalt im Gewebe und damit das Aussehen; die Menge des Fetts ändert das nicht. Abfließen lassen kann man Fett nicht. Bleibt eine Schwellung über Tage bestehen, tritt sie nur an einer Seite auf oder schmerzt sie, gehört das ärztlich abgeklärt.

Unsere Einschätzung

Was Sie am schnellsten sehen, ist der Anfang. Der Wasserhaushalt im Gewebe verschiebt sich in Tagen, und deshalb ist die Lymphe das, was zuerst am Spiegel auffällt. Eine flachere Kontur am Morgen nach einem bewegten Tag, eine geschwollenere nach einem langen Flug. Für jemanden, der abnehmen will, ist das eine schmale Stellschraube. Sie ändert das Bild, nicht die Fettmasse. Das Fett, um das es beim Abnehmen geht, liegt eine Stufe darüber, bei der Muskulatur und dem Grundumsatz, und es bewegt sich langsamer und weit weniger sichtbar. Wer das Schnelle für das Entscheidende hält, hört auf, bevor sich das Entscheidende zeigt. Der Wasserstand macht den ersten Eindruck; er trägt ihn nicht über Wochen.

Häufige Fragen

Kann man den Lymphfluss selbst in Gang bringen?

Ja, über Bewegung und Atmung, denn beide erzeugen den Druck, der den Strom antreibt. Ein Spaziergang, Treppensteigen, ein paar tiefe Atemzüge reichen als Antrieb. Ein besonderes Können braucht es dafür nicht.

Hilft es, viel zu trinken?

Trinken versorgt den Körper mit Wasser, beschleunigt den Lymphstrom aber nicht. Was ihn bewegt, ist Druck von außen, also Muskelarbeit und Atmung. Zu wenig zu trinken schadet; mehr als genug bringt an dieser Stelle keinen Zusatz.

Ist eine Schwellung am Morgen ein Zeichen für zu viel Fett?

Nein, sie ist fast immer Wasser, das sich über die ruhige Nacht im Gewebe gesammelt hat. Mit Bewegung geht sie über den Tag zurück. Fett verhält sich nicht so.

Wandert abgebautes Fett einfach durch den Körper?

Die Reste abgebauter Fettzellen werden von Fresszellen aufgenommen und schrittweise verarbeitet. Als Fetttropfen durch die Adern geschwemmt wird dabei nichts. Der Abbau geschieht langsam, über Wochen, und der Körper verarbeitet dieses Material wie anderen Zellabfall.

Kann Druck von außen mit den Händen den Abtransport ersetzen?

Druck von außen mit den Händen kann den Strom für einen Moment anschieben, so wie es Bewegung auch tut. Am Wasserhaushalt im Gewebe ändert das kurzfristig etwas, an der Fettmasse nichts. Im Alltag übernimmt das ohnehin jeder Schritt und jeder Atemzug.

Muss man den Abtransport nach einer Session ankurbeln?

Ankurbeln müssen Sie nichts; der Abtransport läuft über die gewöhnliche Bewegung und Atmung von selbst weiter. Wie schnell es geht, entscheidet dabei der Abbau, nicht der Strom: Die Fresszellen tragen das Material über Wochen in kleinen Portionen ab, und schnelleres Fließen verkürzt das nicht. Mehr Bewegung verschiebt Wasser rascher; an diesem langsamen Abbau der Zellen ändert sie nichts.

Belege

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