Der rote Faden

Warum ist tiefes Bauchfett stoffwechselaktiv?

Das tiefe Fett im Bauchraum lagert nicht nur, es gibt laufend Fettsäuren und Botenstoffe ins Blut ab und liegt dabei nah an der Leber.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer; allgemeine Physiologie des Fett- und Energiestoffwechsels (Speicherung und Freisetzung von Fett in den Fettzellen, Durchblutung des Fettgewebes, Weg der Fettsäuren zur Leber) sowie der Botenstofffunktion des Fettgewebes; kein gerätebezogener Beleg, keine Wirkaussage

Das tiefe Fett im Bauchraum verhält sich anders als das weiche Fett unter der Haut: Es ist gut durchblutet, tauscht seinen Inhalt rasch mit dem Blut und gibt neben Fettsäuren auch Botenstoffe ab. Weil es nah an der Leber und den großen Gefäßen des Bauchraums liegt, erreicht ein großer Teil davon zuerst die Leber und von dort den ganzen Körper. Ein Teil dieser Botenstoffe hält einen leisen Entzündungszustand, den man nicht bemerkt; das ist ein Vorgang der Physiologie und für sich keine Krankheit. Deshalb zählt tiefes Bauchfett für Herz und Kreislauf mehr als das Fett unter der Haut, und es gibt zugleich früher nach, wenn Bewegung und eine kleinere Menge über den Tag zusammenkommen. Wie viel tiefes Fett wirklich liegt und was es im Einzelfall bedeutet, zeigt erst eine ärztliche Untersuchung.

Das Fett tief im Bauchraum arbeitet am Stoffwechsel mit. Es gibt laufend Fett und Botenstoffe ins Blut ab und nimmt sie wieder auf schmidt-lang-physiologie. Das weiche Polster unter der Haut bleibt dabei träger. Das tiefe Fett liegt nah an der Leber und an den großen Gefäßen, die das Blut aus dem Bauch dorthin führen. Was es abgibt, erreicht darüber den ganzen Körper. Genau das trennt es von dem Fett, das man an Hüften und Oberschenkeln greift.

Warum ist tiefes Bauchfett stoffwechselaktiv?

Weil es seinen Inhalt ständig mit dem Blut tauscht, statt ihn nur zu lagern. Das Fett im Bauchraum ist gut durchblutet und spricht auf die Signale des Körpers rasch an. Es nimmt Fett auf, wenn Energie übrig ist, und gibt es ab, wenn der Körper danach verlangt schmidt-lang-physiologie. Dazu gibt es Botenstoffe frei, die im Blut unterwegs sind und an anderer Stelle wirken. Das tiefe Bauchfett ist kein stiller Speicher, sondern ein Gewebe, das mitarbeitet. Das weiche Fett unter der Haut kann das auch, tut es aber langsamer und in kleinerem Maß. Der Grund liegt im Bau des Gewebes. Das tiefe Fett ist dichter von feinen Gefäßen durchzogen und trägt mehr Zellen, die auf Signale ansprechen, als das ruhigere Polster unter der Haut. Je mehr davon im Bauchraum liegt, desto lauter meldet sich dieses Gewebe im Stoffwechsel.

Was gibt das tiefe Bauchfett ins Blut ab?

Es gibt zwei Dinge ins Blut ab: den gespeicherten Brennstoff und Signalstoffe, mit denen sich das Gewebe beim übrigen Körper meldet. Der Brennstoff sind Fettsäuren, die das Fett bei Bedarf freisetzt und die über das Blut zur Leber und in die Muskeln gelangen schmidt-lang-physiologie. Liegt viel tiefes Fett, fließt auch mehr davon, und ein großer Teil landet zuerst in der Leber. Die Signalstoffe stellt das Fettgewebe selbst her. Über sie meldet sich das Fett beim übrigen Körper, etwa beim Hunger, beim Zucker im Blut und bei der Abwehr. Ein Stoff meldet dem Kopf, wie voll die Speicher sind, und trägt so zum Gefühl von Hunger und Sättigung bei. Andere haben mit dem Umgang des Körpers mit Zucker zu tun. Wieder andere gehören zur Abwehr. Manche dieser Stoffe fördern einen leisen Entzündungszustand, und tiefes Bauchfett gibt mehr davon ab als das Fett unter der Haut. Das sind Vorgänge der normalen Physiologie und für sich noch keine Krankheit.

Warum ist die Nähe zur Leber wichtig?

Weil das Blut aus dem Bauchraum zuerst durch die Leber läuft, bevor es in den übrigen Körper gelangt. Das tiefe Fett liegt genau an den Gefäßen, die dorthin führen. Was es abgibt, kommt darum in hoher Menge und auf kurzem Weg bei der Leber an. Blut aus Armen oder Beinen nimmt dagegen erst einen weiten Umweg durch den Kreislauf. Die Leber steuert Zucker und Fett im Körper. Trifft dort viel Fettsäure ein, verschiebt das ihren Umgang mit beidem. Sie baut den Überschuss um, gibt einen Teil als Blutfett wieder ab und legt einen Teil bei sich selbst an. So schlägt viel tiefes Fett auf Werte durch, die weit weg vom Bauch entstehen. Das Fett unter der Haut liegt weiter weg und gibt seinen Inhalt breiter verteilt ab. Deshalb wiegt dasselbe Kilo Fett je nach Ort verschieden schwer für den Stoffwechsel.

Was haben die Botenstoffe mit einem leisen Entzündungszustand zu tun?

Ein Teil dieser Botenstoffe hält den Körper auf einem niedrigen Entzündungsniveau, das man nicht bemerkt. Anders als die rote, heiße Stelle nach einer Verletzung läuft dieser Zustand über Wochen leise im Hintergrund. Das tiefe Fett gibt dabei Signalstoffe ab, die zur Abwehr des Körpers gehören. Je mehr davon im Bauchraum liegt, desto mehr solcher Stoffe sind im Blut. Ein Teil davon stammt aus Abwehrzellen, die sich zwischen den Fettzellen einnisten und dort nach und nach mehr werden. Beim schlanken Menschen bleibt dieser Grundton niedrig. Wächst das Depot über Jahre, steigt er langsam mit, ohne dass davon im Alltag etwas zu spüren wäre. Das ist ein Vorgang der Physiologie und für sich keine Erkrankung. Ob der Zustand im Einzelfall etwas bedeutet, lässt sich von außen nicht sagen und gehört in ärztliche Hände.

Warum zählt dieses Fett fürs Herz-Kreislauf-Risiko mehr?

Weil es Stoffe abgibt, die im ganzen Körper wirken, wiegt das tiefe Fett für Herz und Kreislauf schwerer als das weiche Fett unter der Haut. In Auswertungen großer Gruppen geht ein hoher Anteil tiefen Bauchfetts öfter mit Belastungen für Herz und Gefäße einher. Das ist eine Aussage über Wahrscheinlichkeiten in einer Gruppe, kein Urteil über den einzelnen Menschen. Wer einen festen Bauch hat, ist damit nicht krank, und wer schlank ist, ist nicht gefeit. Ärztliche Begriffe wie das metabolische Syndrom fassen mehrere solcher Belastungen zusammen; ob eine davon vorliegt, stellt allein eine Ärztin oder ein Arzt fest. Der Umfang am Bauch ist darum ein gröberer Hinweis als die reine Zahl auf der Waage, mehr aber nicht.

Warum gibt das tiefe Fett auf Bewegung und Essen früher nach?

Weil es seinen Inhalt schnell tauscht, gibt das tiefe Fett früh nach, wenn über die Zeit weniger Energie hereinkommt, als der Körper verbraucht. Das gut durchblutete Gewebe im Bauchraum reicht seine Fettsäuren zügig ins Blut, sobald der Körper sie abruft schmidt-lang-physiologie. Der Bauch wird dann flacher und fester, während das weiche Polster an Hüften und Oberschenkeln länger hält. Viele spüren das zuerst am Bund der Hose, kaum an der Waage. Dieselbe Beweglichkeit hat eine Kehrseite. Kommt über die Zeit mehr herein, als der Körper braucht, füllt sich gerade dieses Fett auch rasch wieder. Es folgt der Bilanz in beide Richtungen zügiger als das Fett unter der Haut. Wie das tiefe und das oberflächliche Fett sonst zu unterscheiden sind, steht an anderer Stelle.

Grenzen

Dieser Text erklärt, warum das tiefe Bauchfett am Stoffwechsel mitwirkt, nicht, wie viel davon bei einem einzelnen Menschen liegt. Von außen lässt sich der Anteil nicht messen; das zeigt erst eine ärztliche Untersuchung. Die Botenstoffe und der leise Entzündungszustand sind Vorgänge der normalen Physiologie und für sich keine Krankheit. Es gibt Erkrankungen, bei denen der Zuckerstoffwechsel, die Blutfette oder der Blutdruck aus dem Takt geraten, etwa der Typ-2-Diabetes oder das metabolische Syndrom. Zahlen zum Ausmaß der abgegebenen Stoffe nennt dieser Text bewusst nicht, weil sie von Mensch zu Mensch und von Messung zu Messung stark schwanken.

Unsere Einschätzung

Für die Frau, die abnehmen will, steckt in der Aktivität des tiefen Fetts eine gute und eine unbequeme Nachricht. Die gute: Gerade dieses Fett reagiert früh, wenn Bewegung und die Menge über den Tag zusammenkommen, und der Bauch antwortet schneller als das Polster an den Hüften. Die unbequeme: Was das Fett über die Zeit hält oder abgibt, entscheidet sich weiter oben, beim Schlaf, bei der Anspannung und bei der Bewegung, nicht an der Oberfläche. Das schnell Sichtbare an der Haut sagt wenig darüber, wie viel tiefes Fett am Stoffwechsel mitredet. Das schnell Sichtbare ist der Anfang; was am meisten entscheidet, sieht man am spätesten. Das tiefe Bauchfett gehört zur zweiten Sorte, obwohl es früher nachgibt als das weiche. Wer den festen Bauch ernst nimmt, arbeitet an Schrauben, die höher sitzen als das sichtbare Polster, auch wenn der Weg dorthin Geduld verlangt.

Häufige Fragen

Ist tiefes Bauchfett schädlicher als das Fett unter der Haut?

Es wirkt stärker auf den Stoffwechsel und geht in Auswertungen großer Gruppen öfter mit Belastungen für Herz und Kreislauf einher als das weiche Fett unter der Haut. Es liegt nah an der Leber und gibt Fettsäuren und Botenstoffe ins Blut ab. Das heißt nicht, dass ein fester Bauch für sich eine Erkrankung ist. Was der einzelne Bauchumfang bedeutet, klärt die ärztliche Seite.

Was bedeutet stoffwechselaktiv beim Fett?

Es bedeutet, dass das Fett laufend Stoffe mit dem Blut tauscht, statt sie nur zu lagern. Das tiefe Bauchfett gibt Fettsäuren ab und stellt Botenstoffe her, die an anderen Stellen im Körper wirken. Das weiche Fett unter der Haut kann das auch. Es tut es nur langsamer und in kleinerem Maß.

Gibt tiefes Bauchfett wirklich Entzündungsstoffe ab?

Ein Teil der Botenstoffe aus dem Fettgewebe gehört zur Abwehr des Körpers und hält ein niedriges Entzündungsniveau, das man nicht spürt. Je mehr tiefes Fett vorliegt, desto mehr davon sind im Blut. Das ist ein Vorgang der Physiologie und für sich keine Krankheit. Ob er im Einzelfall etwas bedeutet, gehört in ärztliche Hände.

Verschwindet das tiefe Fett schneller als das an den Hüften?

Bei vielen ja, weil es seinen Inhalt zügig mit dem Blut tauscht und früh nachgibt, sobald über die Zeit weniger Energie hereinkommt, als der Körper verbraucht. Der Bauch wird flacher, während das weiche Fett länger hält. Wie schnell und wie viel weicht, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Warum ist der Ort des Fetts wichtiger als die Menge?

Weil dasselbe Fett je nach Lage verschieden auf den Stoffwechsel wirkt. Ein Kilo tief im Bauchraum gibt seine Stoffe auf kurzem Weg an die Leber ab und meldet sich lauter als ein Kilo unter der Haut. Darum sagt der Ort oft mehr als die reine Menge auf der Waage. Was das im Einzelfall bedeutet, gehört in ärztliche Hände.

Kann man das tiefe Bauchfett gezielt abbauen?

Gezielt an einer Stelle abnehmen geht nicht. Das tiefe Fett gibt vor allem nach, wenn über die Zeit weniger Energie hereinkommt, als der Körper verbraucht, und wenn mehr Bewegung dazukommt. Wo der Körper zuerst Fett abgibt, entscheidet er selbst. Bauchübungen kräftigen den Muskel darunter, sie tragen das Fett darüber nicht ab.

Belege

Verwandte Artikel