Ernährung

Warum ist die Waage der schlechteste Fortschrittsmesser?

Die Waage zählt Wasser, Verdautes, Muskeln und Fett in einer einzigen Zahl zusammen und schwankt am Tag um mehr, als Fett je ausmacht; wer abnehmen will, liest besser den Verlauf über Wochen als den Wert eines Morgens.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer, Kapitel Herz-Kreislauf-System (Mikrozirkulation, Flüssigkeitsaustausch im Gewebe) und Kapitel Ernährung und Verdauung (Fettresorption über die Darmlymphe)

Die Waage nennt eine einzige Zahl für alles, was gerade im Körper ist: Wasser, den Inhalt von Darm und Blase, Muskeln, Knochen und Fett. Das Fett, um das es beim Abnehmen geht, ist davon der Teil, der sich am langsamsten und am Tag am wenigsten bewegt. Wasser und Nahrung dagegen verschieben das Gewicht täglich um ein bis zwei Kilo, sodass der einzelne Tageswert fast nur Rauschen zeigt. Aussagekräftiger sind der Umfang an festen Stellen, wie die Kleidung sitzt und der Verlauf über Wochen statt der Wert eines Morgens. Steigt oder fällt das Gewicht schnell und ohne erkennbaren Grund oder wird das tägliche Wiegen zur Last, gehört das ärztlich eingeordnet.

Die Waage nennt eine Zahl für alles auf einmal. In ihr stecken Wasser, der Inhalt von Darm und Blase, die Muskeln, die Knochen und das Fett, und sie trennt nichts davon. Das Fett, um das es beim Abnehmen geht, ist der Teil, der sich am langsamsten bewegt und am Tag am wenigsten. Alles andere schwankt schneller und stärker. Darum sagt eine einzelne Zahl weniger, als die meisten ihr zutrauen.

Was wiegt die Waage eigentlich?

Alles zusammen, was der Körper in diesem Moment trägt. Das meiste davon ist Wasser, verteilt auf das Blut, die Zellen und das Gewebe dazwischen. Das Blut gibt an den feinsten Gefäßen ständig Flüssigkeit ins Gewebe ab, und wie viel davon dort steht, ändert sich über den Tag. schmidt-lang-physiologie Dazu kommt, was gerade durch den Verdauungsweg läuft: das Essen und Trinken der letzten Stunden, das den Körper erst später wieder verlässt. Dann die Muskeln und die Knochen. Und zuletzt das Fett. Die Waage legt das alles übereinander und nennt eine Summe. Was diese Summe ausmacht, verrät sie nicht.

Warum schwankt das Gewicht am Tag um mehr, als Fett je ausmacht?

Weil Wasser und Nahrung im Körper täglich um ein bis zwei Kilo schwanken, während sich echtes Fett am Tag kaum bewegt. Ein Kilo Fett auf- oder abzubauen braucht Wochen, kein Wochenende. In vierundzwanzig Stunden kommt oder geht davon höchstens eine Handvoll Gramm. Was die Waage dagegen von morgens bis abends bewegt, ist der Rest der Summe. Eine salzige Mahlzeit bindet Wasser im Gewebe. Ein voller Darm wiegt, ein geleerter nicht. Vor der Regel lagern viele Frauen ein bis zwei Kilo Wasser ein. All das verschiebt die Zahl, ohne dass sich am Fett etwas tut. Was Sie essen, ist ohnehin nicht sofort Körperfett; das Fett aus der Nahrung gelangt erst über die Lymphe der Darmwand ins Blut. schmidt-lang-physiologie

Warum ist der einzelne Tageswert fast wertlos?

Weil er die kleine, langsame Bewegung des Fettes unter einer großen, schnellen Bewegung des Wassers begräbt. Wer heute zweihundert Gramm mehr wiegt als gestern, hat meist Wasser eingelagert oder Verdautes im Bauch. Fett kommt so schnell nicht dazu. Wer zweihundert Gramm weniger wiegt, hat ebenso wenig davon verloren. Der Tageswert ist Rauschen, in dem das eigentliche Signal untergeht. Erst wenn man mehrere Werte über Wochen nebeneinanderlegt, schält sich eine Richtung heraus. Ein einziger Morgen taugt dafür nicht, so genau die Zahl auf dem Display auch aussieht.

Was misst besser als die Waage?

Der Umfang an festen Stellen, wie die Kleidung sitzt und der Verlauf über Wochen statt der Wert eines Morgens. Ein Maßband an Bauch, Hüfte und Oberschenkel, immer an derselben Stelle gelegt, zeigt eine Veränderung der Form, die das Gewicht verschweigt. Der Hosenbund ist ein ehrlicher Zeuge; er reagiert auf die Kontur, nicht auf den Wasserstand einer Nacht. Aufnahmen unter gleichem Licht und im gleichen Stand, über Wochen aufgenommen, machen sichtbar, was von Tag zu Tag zu klein ist, um aufzufallen. Und selbst die Waage taugt, sobald man den Schnitt über sieben Tage nimmt statt den Wert eines einzelnen Morgens. Diese Linie bewegt sich langsam, aber sie zeigt, wohin es geht.

Warum kann die Waage steigen, obwohl man Fett verliert?

Weil zur selben Zeit Wasser dazukommen oder Muskeln wachsen können, und beides wiegt. Wer neu mit Krafttraining beginnt, lagert in den beanspruchten Muskeln vorübergehend Wasser ein. Die Zahl steigt dann, während das Fett schwindet. Auch Muskeln wiegen. Wer sie aufbaut und zugleich Fett verliert, hält über Wochen dasselbe Gewicht und wird trotzdem schmaler. Ob ein Polster Fett oder Wasser ist, zeigt sich am Griff und über die Zeit; das ist eine Frage für sich. Für die Waage zählt nur die Summe, und die kann steigen, während der Teil, auf den es ankommt, kleiner wird.

Grenzen

Die Waage misst das Gewicht zuverlässig, und mehr leistet sie nicht. Woraus die Zahl besteht, sagt sie nicht, und für gesundheitliche Fragen ist sie keine Grundlage. Steigt oder fällt das Gewicht schnell und ohne erkennbaren Grund, schwillt nur eine Körperseite an oder kommt eine spürbare Wassereinlagerung dazu, gehört das ärztlich eingeordnet. Dahinter kann eine Ursache am Herzen, an den Nieren oder an der Schilddrüse stehen, die man von außen nicht erkennt. Und wer das tägliche Wiegen als Last erlebt oder sein Essen streng danach ausrichtet, sollte das ernst nehmen. Ein solches Muster kann auf eine Essstörung deuten und gehört in ärztliche Hände und zu Fachleuten für seelische Gesundheit.

Unsere Einschätzung

Die Waage zeigt das, was sich am schnellsten bewegt, und verdeckt das, worauf es ankommt. Was am schnellsten auf ihr ausschlägt, sagt über den Fettverlust am wenigsten. Über den Fettverlust bestimmt vor allem, was Woche um Woche auf dem Teller liegt, und das arbeitet sich langsam durch die Zahl. Wer den Tageswert zum Richter macht, richtet über Wasser und Verdautes und übersieht das Fett. Nützlicher ist der lange Blick: der Schnitt über Wochen, der Umfang, wie die Kleidung sitzt. Die Zahl darf sinken, wenn sie so weit ist. Bis dahin trägt sie mehr Lärm als Auskunft.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man sich wiegen?

Entweder selten oder täglich zur gleichen Zeit, dann aber nur den Schnitt über die Woche beachtet. Der einzelne Wert trägt wenig, weil er den Wasserstand des Morgens misst. Erst die Linie über mehrere Tage zeigt eine Richtung.

Morgens oder abends wiegen?

Am besten morgens nach dem Aufstehen, nüchtern und nach dem ersten Gang zur Toilette. Dann ist der Körper jeden Tag in einem ähnlichen Zustand. Entscheidend ist weniger die Uhrzeit als dass es immer dieselbe ist.

Warum wiege ich abends mehr als morgens?

Weil das Essen und Trinken des Tages noch im Körper steckt und erst nach und nach wieder ausgeschieden wird. Über Nacht verliert der Körper zusätzlich Wasser über Atem und Haut. Der Unterschied von ein bis zwei Kilo zwischen früh und spät ist Wasser und Nahrung, kein Fett.

Sollte man die Waage ganz weglassen?

Nötig ist das nicht. Als Wochenlinie neben Maßband und Kleidung liefert sie eine brauchbare Richtung. Nur als Richter über den einzelnen Tag führt sie in die Irre.

Warum steht das Gewicht wochenlang still, obwohl ich abnehme?

Weil Wasser einen Fettverlust eine Weile verdecken kann. Der Körper baut Fett ab und füllt die frei werdende Stelle vorübergehend mit Flüssigkeit, sodass die Waage gleich bleibt. Fließt dieses Wasser ab, springt die Zahl nach, oft in einem Schritt.

Belege

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