Die Tür

Warum vertragen Fettzellen Kälte schlechter als Haut und Muskeln?

Fett erstarrt schon einige Grad über null, Haut und Muskel daneben noch nicht, und in diesem schmalen Temperaturfenster trifft die Kälte allein das Fett.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Grundlagenarbeit Manstein 2008 (selektive Kryolyse am Tiermodell), frühe Studie am Menschen zu Nerven und Empfinden (Coleman 2009), physikalische Grundlagen des Erstarrens von Fett und Gewebewasser

Kälte trifft das Fett und lässt Haut, Muskel und Nerv unversehrt, weil Fett bei einer höheren Temperatur fest wird als das Wasser, aus dem das übrige Gewebe zum größten Teil besteht. Zwischen dem Punkt, an dem Fett erstarrt, und dem, an dem Gewebewasser zu Eis würde, liegt ein schmales Fenster; die Anwendung bleibt darin. In einer Arbeit am Tiermodell schädigte die Kälte das Fettgewebe, ohne die Haut zu verletzen oder Narben zu hinterlassen. In einer frühen Studie am Menschen war das Empfinden an der Stelle nur vorübergehend herabgesetzt und kehrte im Mittel nach gut dreieinhalb Wochen zurück. So erklärt sich, warum das Verfahren sicher ist; wie viel Fett am Ende weniger wird, ist eine andere Frage.

Fett wird fest, bevor Wasser gefriert. Auf diesem einen Unterschied ruht die ganze Sicherheit des Verfahrens. Kälte lässt sich so einstellen, dass sie die Fettzellen unter der Haut erreicht und Haut, Muskel und Nerven daneben in Ruhe lässt. Möglich ist das, weil Fett und wasserreiches Gewebe bei verschiedenen Temperaturen erstarren. Es gibt eine schmale Spanne, in der das eine schon leidet und das andere noch nichts merkt.

Warum trifft die Kälte das Fett und nicht die Haut?

Fett erstarrt bei einer höheren Temperatur als das Wasser, aus dem Haut und Muskel zum größten Teil bestehen. Fettzellen sind mit winzigen Fetttröpfchen gefüllt, und dieses Fett wird schon einige Grad über dem Gefrierpunkt von Wasser fest. Kühlt man eine Stelle so weit herunter, dass die Tröpfchen darin erstarren, bleibt das Gewebe ringsum flüssig, weil es kaum Fett und viel Wasser enthält. Dieselbe Beobachtung macht jeder in der Küche: Butter wird im Kühlschrank hart, das Wasser im Glas daneben nicht.

Wie hoch diese Temperatur liegt, hängt davon ab, woraus das Fett gebaut ist. Festere Fette werden früher hart, weichere später. Kokosfett ist bei Zimmertemperatur fest, Olivenöl bleibt flüssig, und das Fett im Körper liegt dazwischen. Es wird in einem Bereich zäh, den man von außen erreicht, ohne der Haut zu nahe zu kommen.

Das Fett gibt also als Erstes nach, und die Haut daneben hält stand. Fachleute nennen diese Ungleichheit die Selektivität der Kälte. Für die Fettzelle beginnt mit dem Erstarren ein langsames Zugrundegehen; was danach im Gewebe geschieht, wie der Körper die geschädigten Zellen über Wochen abräumt, ist ein eigenes Thema an der Tür. Hier zählt der Anfang: Die Kälte setzt dort an, wo Fett liegt, weil Fett als Erstes auf sie reagiert.

Woher weiß man, dass Fett empfindlicher auf Kälte reagiert?

Das zeigt sich seit Langem an einer alten Beobachtung bei kleinen Kindern. War ein Säugling an einer Stelle längere Zeit Kälte ausgesetzt, etwa an der Wange nach einem kalten Gegenstand im Mund, bildet sich dort mitunter eine feste Verhärtung im Unterhautfett. Die Haut darüber bleibt heil, und die Verhärtung geht nach Wochen von selbst zurück. Ärzte kennen das seit Jahrzehnten als harmloses Kältephänomen bei kleinen Kindern. Der Grund liegt in der Art des Fetts: Das Fett von Säuglingen ist fester und erstarrt bei einer höheren Temperatur als das von Erwachsenen, deshalb reagiert es früher.

An dieser Beobachtung setzte die Idee an, Kälte gezielt gegen ein umgrenztes Polster einzusetzen. Aus ihr ging eine Grundlagenarbeit am Tiermodell hervor, die den Effekt kontrolliert nachstellte: Fett schädigen, ohne die Haut zu verletzen manstein-2008. Was am Kind zufällig auftrat, ließ sich damit einstellen und messen.

Was ist mit dem Temperaturfenster gemeint?

Gemeint ist die Spanne zwischen zwei Temperaturen: unterhalb der, bei der Fett fest wird, und oberhalb der, bei der das Gewebewasser zu Eis würde. In dieser Spanne leidet das Fett, während Haut, Muskel und Nerv verschont bleiben. Kühlt man zu wenig, geschieht dem Fett nichts. Kühlt man zu stark, bis auch das Gewebewasser gefriert, entsteht ein Kälteschaden, der die Haut mitnimmt. Das Fenster ist schmal. Deshalb kommt es darauf an, die Temperatur über die ganze Zeit gleichmäßig zu halten: Bleibt sie zu hoch, passiert dem Fett zu wenig; fällt sie zu tief, gerät die Haut in Gefahr.

In der Grundlagenarbeit von Manstein wurde am Tiermodell genau dieser Bereich abgesteckt. Gekühlt wurde von mild kühl bis einige Grad unter null, über wenige Minuten, und beobachtet, was mit Fett und Haut geschieht manstein-2008. Das Fettgewebe nahm über die Wochen danach ab, die Haut darüber blieb ohne Schaden und ohne Narbe manstein-2008. Das ist der Beleg, dass es dieses Fenster gibt und dass es breit genug ist, um es mit einem Gerät zu treffen.

Warum nimmt die Haut keinen Schaden, obwohl die Kälte durch sie hindurchgeht?

Weil die Haut bei dieser Temperatur nichts einbüßt, solange ihr Wasser nicht gefriert. Die Kälte erreicht das Fett nur, indem sie zuerst durch die Haut dringt, und damit liegt die Haut am kältesten Punkt der Stelle. Sie übersteht das, weil sie wenig Fett und viel Wasser enthält und dieses Wasser im gewählten Fenster flüssig bleibt. Kälte ist ihr zudem vertraut, denn sie ist das Gewebe, das der Körper täglich der Außenluft aussetzt. Damit sie sicher in ihrem Teil des Fensters bleibt, liegt zwischen Gerät und Haut eine schützende Auflage, die die Kälte an der Oberfläche etwas abpuffert. Im Tiermodell fand sich nach der Kühlung weder mit bloßem Auge noch unter dem Mikroskop eine Schädigung der Haut, und es blieben keine Narben zurück manstein-2008. Was an der Oberfläche kurz auftritt, eine Rötung oder ein taubes Gefühl, gehört zum Ablauf und geht zurück.

Was geschieht mit den Nerven an der gekühlten Stelle?

Die Nerven an der Stelle können eine Zeit lang weniger empfinden und erholen sich danach wieder. In einer frühen Studie am Menschen wurde eigens danach gesucht, ob die Kälte die Nerven im gekühlten Feld beeinträchtigt. Bei sechs von neun untersuchten Personen war das Empfinden dort herabgesetzt; im Mittel kehrte es nach gut dreieinhalb Wochen vollständig zurück coleman-2009. In einer Gewebeprobe eines Nervs zeigte sich keine bleibende Veränderung coleman-2009. Die Nerven fallen also unter das, was die Kälte in diesem Fenster verschont: Auch sie bestehen aus Wasser und nicht aus Fett, und auch sie liegen damit außerhalb dessen, was zuerst erstarrt.

Worin unterscheidet sich das von einer Erfrierung?

Bei einer Erfrierung gefriert das Wasser im Gewebe selbst und bildet Eiskristalle, die zerstören, was sie treffen, die Haut zuerst. Sie entsteht, wenn die Temperatur unter den Punkt fällt, an dem Gewebewasser zu Eis wird, und sie beginnt an der Oberfläche, weil die dem Kalten am nächsten liegt. Die Kälteanwendung bleibt bewusst über dieser Schwelle. Sie lässt das Fett erstarren und das Gewebewasser flüssig, und so bleibt die Haut heil, die eine Erfrierung als Erstes verlöre. Entscheidend ist, welcher Stoff bei welcher Temperatur fest wird; der Grad der Kälte allein sagt es nicht.

Grenzen

Dieser Text erklärt, warum die Kälte das Fett trifft und die Haut verschont. Wie viel Fett am Ende weniger wird, erklärt er nicht. Das Fenster steht für die Sicherheit; über das Ausmaß der Veränderung sagt es nichts. Wie stark sich eine Stelle wandelt, hängt an Gerät, Kühlzeit und dem einzelnen Körper und steht in anderen Arbeiten. Der Kern dessen, was hier steht, beruht zudem auf einer Arbeit am Tier und einer frühen, kleinen Studie am Menschen manstein-2008 coleman-2009. Beide zeigen, dass Fett zuerst reagiert und Haut und Nerv verschont bleiben. Sie zeigen nicht, dass jeder Körper gleich reagiert und nie etwas schiefgeht. Ein seltenes Risiko bleibt, bei dem sich an der gekühlten Stelle mehr Fett bildet statt weniger, und im Einzelfall gibt es Gründe, die gegen eine Session sprechen. Beides gehört an eine andere Stelle und in den Fit Call.

Unsere Einschätzung

Dass die Kälte das Fett wählerisch trifft und die Haut verschont, ist der Grund, warum sie an der Haut ohne Schnitt und ohne Narkose überhaupt etwas ausrichten darf. Damit ist die erste Frage beantwortet, die jemand vor einem solchen Schritt stellt, die nach der Sicherheit. Für die Frau, die abnehmen will, steckt darin zugleich eine Grenze. Dass die Kälte eine Stelle genau erreicht, verrät nichts darüber, wie viel sie dort wegnimmt, und noch weniger, ob das Gewicht am Ende unten bleibt. Sicher genug, um am Anfang eines Weges zu stehen, ist das Verfahren; es steht dort, weil es das Sichtbare liefert und über das Entscheidende nichts vermag. Wer die Selektivität begriffen hat, sieht die Anwendung richtig, als eine genaue, begrenzte Sache an einer Stelle. Ein Weg zum Abnehmen ist sie nicht.

Häufige Fragen

Kann die Kälte die Haut erfrieren?

Im gewählten Temperaturfenster nicht, weil die Anwendung über dem Punkt bleibt, an dem Gewebewasser zu Eis würde. Eine Erfrierung ist ein kälteres Ereignis, bei dem das Wasser im Gewebe selbst gefriert. Solange die Kälte in ihrem Fenster bleibt, erstarrt nur das Fett, und die Haut bleibt flüssig und heil.

Warum ist die Stelle nach einer Session manchmal taub?

Weil die Nerven dort kurz auf die Kälte reagieren. Das Empfinden ist dann eine Weile herabgesetzt und kehrt wieder zurück, in einer frühen Studie am Menschen im Mittel nach gut dreieinhalb Wochen coleman-2009. Eine bleibende Veränderung der Nerven fand sich dabei nicht.

Warum wird Fett früher fest als Wasser?

Weil Fett aus anderen Bausteinen besteht als Wasser und diese schon bei höheren Temperaturen erstarren. Das Fett in den Zellen wird einige Grad über dem Gefrierpunkt von Wasser zäh, während das wasserreiche Gewebe daneben flüssig bleibt. Auf diesem Unterschied ruht die ganze Selektivität der Kälte.

Nimmt der Muskel unter dem Fett Schaden?

Der Muskel besteht wie die Haut vor allem aus Wasser und bleibt damit außerhalb des Fensters, in dem das Fett erstarrt. Die Kälte erreicht vor allem das Fett direkt unter der Haut, das der Aufsatz in seine Falte zieht. Tieferes Gewebe kommt mit ihr kaum in Berührung.

Warum genügt Kälte und braucht es keinen Schnitt?

Weil die Kälte das Fett durch die geschlossene Haut hindurch erreicht, ohne sie zu verletzen. Der Unterschied im Erstarren erlaubt es, das Fett von außen zu treffen und die Haut heil zu lassen. Damit entfällt der Grund, für den ein Schnitt sonst nötig wäre, nämlich überhaupt an das Fett heranzukommen.

Belege

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