Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer, Kapitel Herz-Kreislauf-System (Antrieb der Lymphgefäße: Muskelpumpe, Arterienpuls, Atmung)
Das Lymphsystem hat keine zentrale Pumpe wie das Herz. Sein Strom entsteht durch Druck von außen: durch Muskeln, die sich anspannen, durch die Atembewegung des Zwerchfells und durch den Puls benachbarter Arterien. Deshalb treiben Gehen, Wadenbewegung und tiefe Bauchatmung den Abtransport an, während langes Sitzen oder Stehen ihn verlangsamt. Unter Muskelarbeit steigt der Lymphstrom auf ein Mehrfaches des Ruhewerts. Der bewegte Abtransport verschiebt kurzfristig den Wasserhaushalt im Gewebe und damit das Aussehen, nicht die Fettmasse.
Wer still sitzt, hält den Strom an. Das Netz, das Wasser und Zellreste aus dem Gewebe abführt, treibt sich nicht selbst; es braucht Druck von außen schmidt-lang-physiologie. Diesen Druck liefern die Muskeln, wenn sie sich anspannen, der Atem, wenn sich der Brustkorb hebt und senkt, und der Puls der Arterien, die neben den Leitungen liegen schmidt-lang-physiologie. Ohne Bewegung und Atem käme der Strom fast zum Stillstand. Sobald der Körper zur Ruhe kommt, wird er langsam.
Wie wird aus einer Muskelanspannung ein Antrieb?
Ein Muskel, der sich anspannt, wird kürzer und dicker und drückt dabei die Leitungen zusammen, die neben ihm und zwischen seinen Fasern liegen. Die Gefäße sind durch feine Klappen in kurze Abschnitte geteilt. Drückt der Muskel zu, schiebt er den Inhalt eines Abschnitts in den nächsten; lässt er los, fällt die Klappe zu, und Nachschub rückt von hinten auf schmidt-lang-physiologie. Man kann sich die Abschnitte wie eine Kette kleiner Kammern vorstellen, die der Muskel eine nach der anderen leert. So wird aus dem Wechsel von Anspannen und Lösen eine Förderung in eine einzige Richtung. Zurück kann die Flüssigkeit nicht. Je öfter dieser Wechsel geschieht, desto mehr wird bewegt. Ein Muskel, der nur hält, ohne seine Länge zu ändern, treibt kaum etwas an. Erst das rhythmische Arbeiten pumpt.
Warum ist die Wade der Hauptantrieb im Bein?
Die Wadenmuskeln liegen um die großen Leitungen des Unterschenkels und pressen sie bei jedem Schritt zusammen, gegen die Schwerkraft nach oben. Im Bein hat die Flüssigkeit den längsten Weg zurück, und sie arbeitet dabei bergauf. Beim Gehen spannt sich die Wade bei jedem Schritt an und lässt wieder los; genau dieser Takt schiebt die Lymphe nach oben. Stehen Sie dagegen lange still, bleibt die Wade zwar angespannt, aber ohne Takt, und der Antrieb fehlt. Am Abend sind die Knöchel dann dicker als am Morgen, der Schuh sitzt enger. Nicht das Stehen an sich staut, sondern das Ausbleiben der Bewegung. Deshalb wird die Wade oft ein zweites Herz genannt: Sie ist die Pumpe, die im Unterkörper die Arbeit übernimmt, für die es sonst keine gibt.
Wie treibt die Atmung den Strom im Rumpf?
Beim Einatmen weitet sich der Brustkorb, der Druck darin sinkt, und dieser Sog zieht die Lymphe aus dem Bauchraum nach oben in die Nähe des Herzens. Der Antrieb sitzt im Zwerchfell, dem großen Atemmuskel zwischen Brust und Bauch. Beim Einatmen tritt es nach unten. Der Druck im Bauch steigt und presst die Leitungen dort zusammen, während im Brustkorb ein Unterdruck entsteht, der die Lymphe ansaugt schmidt-lang-physiologie. Der Hauptstrang, in dem sich der Abfluss des ganzen Unterkörpers sammelt, zieht durch das Zwerchfell hindurch. Jeder Atemzug wirkt so wie ein Blasebalg auf ihn. Tiefe Atmung in den Bauch bewegt das Zwerchfell weit und treibt den Strom kräftig an. Flache Atmung, die nur in die Brust geht, bewegt es kaum. Bei ruhiger Atmung geschieht dieser Wechsel zwölf- bis sechzehnmal in der Minute, ein steter Balg, der auch im Sitzen arbeitet, solange die Atmung tief genug bleibt.
Was steuert der Puls der Arterien bei?
An vielen Stellen laufen die Leitungen dicht neben einer Arterie, und jede Pulswelle drückt beim Vorbeilaufen kurz auf sie. Das ist ein kleinerer Antrieb als Muskel und Atem, aber ein stetiger: Der Puls schlägt auch dann, wenn Sie ruhen. In tiefen Körperregionen, wo Muskeln selten arbeiten, hält er den Strom in geringem Maß in Gang. An die Förderung durch Bewegung reicht er nicht heran.
Ziehen sich die Lymphgefäße auch selbst zusammen?
In der Wand der größeren Leitungen sitzt eine dünne Muskelschicht, die sich von selbst in langsamem Takt zusammenzieht und die Lymphe abschnittsweise weiterschiebt. Diese Eigenbewegung läuft ohne Ihr Zutun. Sie erklärt, warum der Strom im Schlaf nicht ganz zum Erliegen kommt. Den Hauptteil der Förderung leistet sie nicht; dafür ist ihr Takt zu träge schmidt-lang-physiologie. Erst der Druck von außen bringt den Strom in Fahrt.
Wie stark steigt der Strom, wenn man sich bewegt?
Unter Muskelarbeit steigt der Lymphstrom auf ein Mehrfaches dessen, was in Ruhe fließt schmidt-lang-physiologie. Der Abstand zwischen Ruhe und Bewegung ist groß. Ein Tag am Schreibtisch bewegt nur einen Bruchteil dessen, was ein Tag auf den Beinen bewegt. Dieselbe Person sieht nach einem ruhigen Wochenende auf dem Sofa aufgeschwemmter aus als nach einem, an dem sie viel unterwegs war. Verändert hat sich dabei nur die Menge Wasser im Gewebe; die Fettmasse bleibt gleich.
Was verlangsamt den Strom im Alltag?
Alles, was den Körper über Stunden ruhig hält, verlangsamt ihn: langes Sitzen am Schreibtisch, langes Stehen ohne Schritte, eine lange Reise im Sitzen. Dann sinkt der Antrieb auf die langsame Eigenbewegung der Gefäße, und Flüssigkeit sammelt sich dort, wohin die Schwerkraft sie zieht. In den Beinen beim Sitzen und Stehen, im Gesicht und an den Händen über die ruhige Nacht. Salzreiches Essen bindet zusätzlich Wasser im Gewebe, und der träge Strom braucht länger, es wieder loszuwerden. Ein langer Flug wirkt in dieselbe Richtung: eng sitzen, kaum gehen, Stunden ohne Wadenarbeit. Wer viel sitzt, merkt das an dicken Beinen am Abend, wer viel geht, kaum.
Was heißt das praktisch für den Alltag?
Wer den Strom antreiben will, muss sich bewegen und tief atmen, mehr braucht es nicht. Ein Gang um den Block, Treppen statt Aufzug, zwischendurch aufstehen und die Waden ein paar Mal auf und ab bewegen. Wer den ganzen Tag sitzt, wippt mit dem Fuß oder stellt sich für einen Moment auf die Zehen; schon das arbeitet die Wade. Ein paar tiefe Atemzüge in den Bauch treiben den Strom im Rumpf an. Nichts davon verlangt Können, Geräte oder einen festen Ablauf. Wichtiger als die einzelne Anstrengung ist, dass die Bewegung über den Tag verteilt bleibt; viele kurze Unterbrechungen der Ruhe wirken mehr als eine einzelne Einheit am Abend. Der Körper erledigt den Rest, sobald er in Bewegung ist.
Kann man den Strom auch im Sitzen antreiben?
Ja, auch im Sitzen lässt sich die Wade in Gang halten, indem Sie die Fußspitzen heben und senken oder die Fersen anheben. Die Bewegung ist klein, aber sie trifft genau den Muskel, auf den es ankommt. Wer sie über den Tag verteilt, hält den Strom in den Beinen wach, ohne aufzustehen. Für den Rumpf kommt die tiefe Atmung dazu. Einen zügigen Gang ersetzt das nicht, doch es überbrückt die langen Stunden, in denen sonst gar nichts arbeitet.
Warum entlastet Hochlegen der Beine?
Liegen die Beine höher als das Herz, läuft die Flüssigkeit mit der Schwerkraft nach oben ab, statt sich unten zu stauen. Am Ende eines langen Tages sammelt sich in den Beinen an, was der Antrieb tagsüber nicht nach oben geschafft hat. Hochlegen nimmt der Wade den Weg ab, den sie sonst gegen die Schwerkraft leisten muss. Das treibt den Strom nicht an, es entlastet ihn nur; der Stau löst sich, ohne dass ein Muskel arbeitet. Ein kurzer Gang bewirkt mehr, weil er den Strom wirklich fördert. Beides nacheinander, erst gehen, dann die Beine hoch, bringt schwere Beine am schnellsten zurück.
Grenzen
Bewegung und Atmung verschieben Flüssigkeit im Gewebe, sie lösen kein Fett. Ein bewegter Tag lässt die Kontur am Abend flacher wirken, weil weniger Wasser im Gewebe steht; die Menge des Fetts bleibt gleich. Wer sich mehr bewegt, um abzunehmen, verbraucht dabei Energie, und das ist ein anderer Vorgang als der Antrieb des Lymphstroms. Er gehört auf eine andere Stufe. Bleibt eine Schwellung über Tage bestehen, sitzt sie nur auf einer Seite oder schmerzt sie, gehört das ärztlich abgeklärt.
Unsere Einschätzung
Bewegung tut dem Strom gut, und das sieht man schnell: am Morgen nach einem Tag auf den Beinen, an einer Kontur, die weniger aufgeschwemmt wirkt. Nur ist dieser schnelle Effekt Wasser, und Wasser ist kein Fett. Für jemanden, der abnehmen will, ist der bewegte Abtransport eine schmale Stellschraube. Er ändert das Bild von einem Tag auf den anderen, nicht die Fettmasse. Bewegung zählt dabei trotzdem, allerdings vor allem, weil arbeitende Muskeln Energie verbrauchen. Der Antrieb der Lymphe ist an dieser Stelle die Nebensache. Das führt eine Stufe weiter, zur Muskulatur und zum Grundumsatz, wo sich entscheidet, wie viel der Körper überhaupt verbraucht.
Häufige Fragen
Reicht Spazierengehen, um den Lymphstrom anzutreiben?
Ja, Gehen ist der einfachste Antrieb und ein kräftiger dazu, weil die Waden dabei bei jedem Schritt arbeiten. Ein zügiger Gang bewegt mehr als jede Übung im Sitzen. Etwas Besonderes braucht es dafür nicht.
Bringt tiefes Atmen wirklich etwas?
Tiefe Bauchatmung bewegt das Zwerchfell, und dessen weite Bewegung treibt die Lymphe im Rumpf spürbar an. Flache Atmung in die Brust tut das kaum. Ein paar bewusste Atemzüge genügen.
Ist Sitzen schlimmer als Stehen?
Sitzen und Stehen verlangsamen den Strom gleichermaßen, weil in beiden die Waden ohne Takt bleiben und nichts die Leitungen presst. Im Sitzen kommt der Knick in den Beinen hinzu, im Stehen die Schwerkraft. Entscheidend ist die Bewegung dazwischen.
Muss man nach langem Sitzen etwas Besonderes tun?
Nein, es genügt aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen. Sobald die Waden wieder arbeiten, läuft der Strom an. Ein fester Ablauf ist dafür nicht nötig.
Treibt Krafttraining die Lymphe stärker an als Gehen?
Jede Muskelarbeit treibt den Strom an, auch Krafttraining. Für den gleichmäßigen Antrieb über den Tag zählt aber weniger die eine harte Einheit als die vielen kleinen Bewegungen: aufstehen, gehen, die Beine bewegen.
Merkt man den Antrieb sofort?
Der Strom läuft mit der Bewegung an, spürbar wird das aber erst über Stunden, wenn eine Schwellung zurückgeht. Ein einzelner Gang bewegt Flüssigkeit, verändert am Aussehen aber wenig. Über einen Tag summiert sich der Unterschied.