Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Standardlehrbuch der Physiologie (Schmidt, Lang, Heckmann), Kapitel Herz-Kreislauf-System: Mikrozirkulation, Flüssigkeitsaustausch zwischen Blut, Gewebe und Lymphe
Wassereinlagerungen sind Flüssigkeit, die im Gewebe liegen bleibt, weil die Blutgefäße dort mehr abgeben, als der Abfluss über Venen und Lymphe wegschafft. Das Gleichgewicht kippt vor allem durch langes Sitzen oder Stehen, durch Hitze, durch salziges Essen und bei Frauen durch den Zyklus. Solche Schwellungen schwanken über Stunden und Tage und sind meist harmlos; das Gewicht ändert sich dabei kaum, das Aussehen schon. Eine Schwellung, die über Tage bleibt, nur an einer Seite auftritt oder mit Luftnot einhergeht, gehört ärztlich abgeklärt. Wer abnehmen will, unterscheidet am besten Wasser und Fett.
Wassereinlagerungen sind Flüssigkeit, die im Gewebe liegt und nicht schnell genug wieder abfließt. Sie entstehen dort, wo das Gleichgewicht zwischen dem, was aus den Blutgefäßen ins Gewebe tritt, und dem, was von dort zurückgeholt wird, für eine Weile kippt. Meist ist der Grund harmlos und vergeht von selbst: ein langer Tag im Sitzen, Hitze, salziges Essen, die Tage vor der Periode. Das Gewicht ändert sich dabei kaum, das Aussehen schon.
Warum sammelt sich überhaupt Flüssigkeit im Gewebe?
Weil die Blutgefäße ständig etwas Flüssigkeit ins Gewebe abgeben und nicht alles davon zurückholen. An jeder Stelle im Körper drückt das Blut in den feinsten Gefäßen Wasser und gelöste Stoffe nach außen, in den Raum zwischen den Zellen. Den größten Teil zieht es weiter hinten wieder ein. Ein Rest bleibt liegen, und den führt ein zweites Leitungsnetz ab, das Lymphsystem. schmidt-lang-physiologie Etwa die Hälfte des Eiweißes, das die feinsten Blutgefäße verlässt, kommt nur über die Lymphe zurück. schmidt-lang-physiologie Dieses Eiweiß im Gewebe bindet Wasser an sich. Solange die Lymphe es zügig abführt, bleibt wenig davon liegen. Verlangsamt sich der Abfluss, staut sich das Eiweiß, und mit ihm hält mehr Wasser im Gewebe. Solange Zufluss und Abfluss sich die Waage halten, bleibt das Gewebe schlank. Kippt das Verhältnis, tritt also mehr aus, kommt weniger zurück oder stockt der Abfluss, dann sammelt sich Wasser und die Stelle wirkt aufgeschwemmt. Genau darum drehen sich die häufigen Ursachen: Jede von ihnen verschiebt diese Waage in dieselbe Richtung.
Warum lagern die Beine Wasser ein, wenn Sie lange sitzen oder stehen?
Weil die Schwerkraft das Blut in den Beinen staut und dann mehr Flüssigkeit ins Gewebe drückt, als der Abfluss wegschafft. Im Sitzen und im Stehen lastet das Gewicht der ganzen Blutsäule auf den Venen der Beine. Der Druck darin steigt, und an den feinsten Gefäßen tritt mehr Wasser nach außen. Zugleich fehlt das, was es sonst wieder nach oben schafft: die Arbeit der Wadenmuskeln. Jeder Schritt presst die Leitungen in der Wade zusammen und schiebt Blut und Lymphe nach oben. schmidt-lang-physiologie Wer stundenlang sitzt oder steht, ohne die Beine zu bewegen, schaltet diese Presse ab. Am Abend sind die Knöchel dicker als am Morgen, die Schuhe enger. Das gibt sich, sobald Sie in Bewegung kommen.
Warum sitzt das Wasser meist unten, in Beinen und Knöcheln?
Weil die Schwerkraft die Flüssigkeit nach unten zieht und der Druck in den Gefäßen dort am höchsten ist. Je tiefer eine Körperstelle unter dem Herzen liegt, desto stärker lastet das Gewicht der Blutsäule auf ihren Venen. In den Knöcheln ist dieser Druck im Stehen am größten, in den Händen kleiner, im Gesicht am kleinsten. Deshalb schwellen zuerst die Füße und die Unterschenkel, während das Gesicht über den Tag eher schmaler wird. Im Liegen kehrt sich das um. Nachts verteilt sich die Flüssigkeit gleichmäßiger, und morgens ist das Gesicht voller als am Abend. Wo das Wasser sitzt, hängt also davon ab, wie Sie den Tag über stehen, sitzen oder liegen.
Warum schwemmen Sie bei Hitze auf?
Weil sich bei Wärme die Gefäße weiten und dann mehr Flüssigkeit ins Gewebe abgeben. Der Körper führt bei Hitze mehr Blut in die Haut, um Wärme abzugeben, und dafür weiten sich die kleinen Gefäße dicht unter der Oberfläche. In weiten Gefäßen tritt mehr Wasser nach außen. Deshalb spannen an heißen Tagen die Finger, der Ring sitzt fest, die Füße quellen über den Schuhrand. Dazu kommt, dass man im Sommer oft länger sitzt oder steht und die Beine weniger bewegt. Beides zusammen lässt vor allem Hände und Füße anschwellen. Mit der Abkühlung geht es zurück. Nach einem heißen Sommertag sind die Beine am Abend oft schwerer, ohne dass etwas dahintersteckt. Über Nacht und in kühlerer Luft gleicht sich das wieder aus.
Warum lagert salziges Essen Wasser ein?
Weil Salz Wasser bindet und der Körper mehr davon zurückhält, um das Salz zu verdünnen. Nach einer salzreichen Mahlzeit steigt der Salzgehalt im Blut und im Gewebe, und die Nieren geben eine Weile weniger Wasser ab, bis das Verhältnis wieder stimmt. So steigt für ein, zwei Tage die Menge an Flüssigkeit im Gewebe. Auf der Waage stehen morgens nach einem salzigen Abend leicht ein oder zwei Pfund mehr. Das ist Wasser, kein Fett. Sobald das Salz ausgeschieden ist, folgt das Wasser, und die Zahl sinkt wieder. Der größte Teil davon steckt im Alltag nicht im Salzstreuer, sondern in Brot, Wurst, Käse und Fertigem. Ein langer Flug wirkt ähnlich, weil man dabei stundenlang sitzt und sich kaum bewegt.
Warum schwankt das bei Frauen mit dem Zyklus?
Weil der Körper in den Tagen vor der Periode mehr Wasser hält und das über den Monat auf und ab geht. In der zweiten Zyklushälfte verschiebt sich das Verhältnis der weiblichen Hormone, und der Körper bindet vorübergehend mehr Salz und damit mehr Wasser. Viele Frauen kennen das als Spannen in der Brust, als engere Ringe in den Tagen zuvor, als flacheren Bauch nach der Periode als davor. Mit dem Einsetzen der Blutung schwappt das meiste wieder ab. Das ist ein regelmäßiges Auf und Ab. Wer sich in diesen Tagen wiegt, misst zu einem großen Teil Wasser. Deshalb sagt eine einzelne Wägung im Zyklus wenig; der Vergleich lohnt sich nur zwischen gleichen Punkten im Monat.
Wann gehört eine Schwellung ärztlich abgeklärt?
Wenn sie über Tage bleibt, nur an einer Seite auftritt oder mit Luftnot einhergeht. Die Schwellungen, um die es hier geht, kommen und gehen: abends stärker, morgens schwächer, an beiden Beinen ähnlich, mit dem Tag oder dem Zyklus schwankend. Anders ist es, wenn ein Bein deutlich dicker ist als das andere, wenn eine Schwellung tagelang nicht zurückgeht, wenn sie schmerzt, sich heiß anfühlt oder zusammen mit Atemnot auftritt. Dann können das Herz, die Nieren oder die Venen dahinterstehen, und das lässt sich nur ärztlich klären. Wir sagen nur, woran Sie erkennen, dass die Frage in ärztliche Hände gehört.
Grenzen
Dieser Beitrag erklärt, warum sich Wasser im Gewebe sammelt. Er erklärt nicht, wie man Fett verliert, denn das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Wassereinlagerungen schwanken über Stunden und Tage; die Fettmasse tut das nicht. Wer über Nacht ein Pfund verliert oder zulegt, hat Wasser verschoben, kein Fett. Auch lässt sich Wasser nicht gezielt an einer Stelle abtrainieren oder wegdrücken; es folgt dem Gleichgewicht im ganzen Körper. Ebenso wenig sagt dieser Text, wie viel Salz für einen einzelnen Menschen das richtige Maß ist; das hängt von zu vielem ab. Und was hier steht, ersetzt keine ärztliche Abklärung, wo eine Schwellung aus dem Rahmen fällt.
Unsere Einschätzung
Wasser ist kein Fett, und das ist der ganze Punkt. Wassereinlagerungen sind das, was am Spiegel zuerst auffällt und sich am schnellsten ändert, über einen Tag, über den Zyklus, nach einem salzigen Abend. Genau das macht sie trügerisch. Wer abnehmen will und die Zahl auf der Waage von Tag zu Tag verfolgt, misst zum großen Teil Wasser und hält es für Fett oder für dessen Ausbleiben. Die Fettmasse, um die es beim Abnehmen geht, verschiebt sich langsam und ohne solche Sprünge. Wer den Wasserstand für den Fortschritt hält, feiert und verzweifelt abwechselnd über eine Zahl, die vor allem sagt, wie salzig gestern das Essen war. Ein aufgeschwemmter Morgen ist deshalb ein schlechter Ratgeber. Er sagt etwas über den Wasserstand von gestern und wenig über den Weg, den jemand noch vor sich hat.
Häufige Fragen
Hilft es, weniger zu trinken?
Nein, zu wenig zu trinken kann das Gegenteil bewirken. Trinkt man zu wenig, hält der Körper Wasser eher fest, statt es abzugeben. Wer normal trinkt und den Salzkonsum im Blick behält, beugt einem aufgeschwemmten Gefühl eher vor als jemand, der das Glas stehen lässt.
Kann man Wasser gezielt an Bauch oder Beinen loswerden?
Nein, der Wasserhaushalt regelt sich über den ganzen Körper, nicht an einer einzelnen Stelle. Bewegung bringt den Abfluss überall in Gang, aber sie sucht sich keine Zone aus. Ein flacherer Bauch am Abend nach einem bewegten Tag ist der Effekt im Ganzen, nicht an dieser einen Stelle.
Sind Röllchen, die morgens da sind und abends weg, Fett oder Wasser?
Was über Stunden kommt und geht, ist Wasser, nicht Fett. Fett baut sich über Wochen auf oder ab und schwankt nicht mit dem Tag. Eine Kontur, die sich zwischen morgens und abends deutlich ändert, folgt dem Wasserstand im Gewebe.
Warum zeigt die Waage von Tag zu Tag so unterschiedliche Zahlen?
Weil ein großer Teil des Unterschieds von Tag zu Tag Wasser ist. Salz, Zyklus, Hitze und ein langer Tag im Sitzen verschieben die Flüssigkeit im Gewebe um ein bis zwei Pfund, ohne dass sich an der Fettmasse etwas ändert. Wer den Verlauf sehen will, wiegt sich über Wochen und zu ähnlichen Bedingungen, nicht täglich.
Helfen entwässernde Tabletten oder Tees?
Entwässernde Mittel schwemmen Wasser aus, das kurz darauf zurückkehrt, und an der Fettmasse ändern sie nichts. Bei einer harmlosen, schwankenden Schwellung braucht es sie nicht. Wo Wasser sich über Wochen staut, gehört die Ursache ärztlich geklärt, statt sie mit Mitteln aus der Drogerie zu überdecken.
Ist ein aufgeschwemmtes Gefühl dasselbe wie Übergewicht?
Nein, ein aufgeschwemmtes Gefühl kommt vom Wasser im Gewebe und schwankt über Tage, während Übergewicht aus Fettmasse besteht und sich langsam ändert. Beides kann zusammen vorkommen, hat aber verschiedene Ursachen. Wer sich an einem Tag praller fühlt als am Tag zuvor, hat fast immer Wasser verschoben und kein Fett zugelegt.