Fluss

Warum sieht man morgens aufgeschwemmter aus?

Die Schwellung am Morgen ist Wasser, das sich über die ruhige Nacht im Gewebe verteilt hat und über den Vormittag mit der Bewegung wieder abfließt.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer, Kapitel Herz-Kreislauf-System (Mikrozirkulation und Lymphgefäßsystem); Abschnitte zu Lymphbildung, Muskelpumpe und Rücktransport von Flüssigkeit und Eiweiß.

Morgens sieht man aufgeschwemmter aus, weil im Liegen die Muskelpumpe fehlt, die den Lymphstrom antreibt, und sich über Nacht Flüssigkeit im Gewebe sammelt. Die liegende Haltung verteilt das Wasser über den Körper, deshalb sind Gesicht, Lider und Hände am stärksten betroffen. Es handelt sich um Wasser, nicht um Fett: Die Fettmasse schwankt über eine Nacht nicht, der Wasserstand um ein Kilo und mehr. Salzreiches Essen am Vorabend und langes Sitzen etwa auf einem Flug verstärken das Bild. Über den Vormittag treibt Bewegung den Abtransport wieder an, und die Schwellung geht meist innerhalb von ein bis zwei Stunden zurück.

Das aufgedunsene Gesicht am Morgen ist Wasser, das sich über die Nacht im Gewebe verteilt hat. An der Fettmasse hat sich über eine Nacht nichts geändert. Solange Sie liegen, fehlt der Druck, der die Flüssigkeit sonst abführt. Sie sammelt sich dort, wo die Haut locker ist, an den Lidern, den Wangen, den Händen. Über den Vormittag, mit den ersten Wegen und Handgriffen, läuft der Abtransport wieder an, und das Gesicht wird schmaler.

Warum sammelt sich über Nacht Flüssigkeit im Gewebe?

Weil im Liegen die Muskeln ruhen und damit der Antrieb ausfällt, der die Flüssigkeit aus dem Gewebe schafft. Das Leitungsnetz, das sie abführt, hat keinen eigenen Motor. Sein Strom entsteht durch Druck von außen: durch die Anspannung der Muskeln, den Puls der Arterien daneben und die Bewegung des Atems. schmidt-lang-physiologie Nachts kommt die Muskelarbeit fast zum Erliegen, der Atem geht flach, der Strom wird träge. Was tagsüber laufend abfließt, bleibt jetzt länger liegen. So steht nach einer ruhigen Nacht mehr Flüssigkeit im Gewebe als am Ende eines Tages auf den Beinen.

Warum trifft es das Gesicht und die Hände, nicht die Beine?

Weil die liegende Haltung die Flüssigkeit nicht mehr nach unten in die Beine zieht, sondern über den Körper verteilt. Am Tag, im Stehen und Sitzen, zieht die Schwerkraft das Wasser nach unten; es sackt in Füße und Unterschenkel, und die Schuhe sitzen abends enger. Im Liegen fällt dieser Zug weg. Die Flüssigkeit verteilt sich gleichmäßiger und zeigt sich dort, wo die Haut leicht nachgibt, an den Lidern, den Wangen, den Handrücken. Deshalb ist das Gesicht kurz nach dem Aufwachen am vollsten und wird schmaler, sobald Sie eine Weile auf den Beinen sind.

Was hat das Eiweiß im Gewebe damit zu tun?

Eiweiß im Gewebe bindet Wasser. Führt der träge Strom es langsamer ab, hält es dieses Wasser länger fest. Das Blut gibt an jeder Stelle Flüssigkeit und Eiweiß ins Gewebe ab; etwa die Hälfte dieses Eiweißes kommt nur über die Lymphe zurück. schmidt-lang-physiologie Läuft der Abtransport nachts langsam, bleibt mehr davon liegen, und das Wasser folgt ihm. Der träge Strom schafft also nicht nur weniger Wasser fort, er lässt zugleich das zurück, was es im Gewebe bindet.

Warum schwankt das Gewicht über Nacht, das Fett aber nicht?

Weil die Waage am Morgen vor allem den Wasserstand zeigt, und der verschiebt sich über eine Nacht um einiges. Fett wird langsam auf- und abgebaut, über Tage und Wochen. Zwischen Abend und Morgen springt die Fettmasse nicht. Wasser dagegen schwankt um ein Kilo und mehr, über Schweiß, Atem, Urin und das, was im Gewebe gebunden liegt. Ein höherer Wert nach einem salzigen Abend ist Wasser, ein niedrigerer nach einer trockenen Nacht ebenso. Wer sich täglich wiegt, verfolgt darum meist den Wasserstand, nicht das Fett.

Warum ist es nach salzigem Essen oder einem langen Flug schlimmer?

Weil Salz mehr Wasser im Gewebe bindet und langes Sitzen den Abtransport zusätzlich verlangsamt. Nach einem salzreichen Abendessen hält der Körper mehr Wasser zurück, bis die Nieren es über den nächsten Tag ausgleichen; am Morgen danach ist das Gesicht voller. Auf einem langen Flug kommt beides zusammen: Stunden ohne Bewegung, keine Muskelpumpe, dazu die trockene Kabinenluft und oft salziges Essen. Hände und Füße schwellen, und es kann bis in den nächsten Morgen reichen. Auch die Tage vor der Regelblutung wirken in dieselbe Richtung.

Wann geht die Schwellung über den Vormittag zurück?

Sobald Sie aufstehen und sich bewegen, läuft der Abtransport wieder an, und die Schwellung fällt meist innerhalb von ein bis zwei Stunden. Jeder Schritt zur Tür, jeder Weg durch die Wohnung drückt die Leitungen zusammen und schiebt die Flüssigkeit weiter; unter Bewegung steigt der Strom auf ein Mehrfaches des Ruhewerts. schmidt-lang-physiologie Die Nieren scheiden den Überschuss über den Vormittag aus. Bis Mittag sind die meisten wieder bei ihrer gewohnten Kontur. Wer den Vormittag über weiter sitzt, bei dem dauert es länger, bis der Strom in Gang kommt.

Grenzen

Was hier schwankt, ist der Wasserhaushalt; die Fettmasse bleibt davon unberührt. Wer den Strom antreibt, verschiebt für Stunden das Wasser im Gewebe und damit das Aussehen; an der Menge des Fetts ändert das nichts. Eine morgendliche Schwellung, die über den Tag zurückgeht, ist gewöhnlich. Bleibt sie dagegen bestehen, tritt sie nur an einer Seite auf, oder schwillt ein Bein deutlich dicker an als das andere, gehört das ärztlich abgeklärt.

Unsere Einschätzung

Was am schnellsten am Spiegel auffällt, sagt über das Fett am wenigsten. Wer morgens schmaler aussieht, hat über Nacht Wasser verloren, nicht Fett. Der Wasserstand ist eine schmale Stellschraube: Er macht den ersten Eindruck am Morgen, aber er trägt ihn nicht über die Wochen. Wer sich vom morgendlichen Bild leiten lässt, misst das, was am schnellsten schwankt und am wenigsten sagt. Das Fett, um das es beim Abnehmen geht, bewegt sich langsam und zeigt sich spät. Der Blick auf die Waage direkt nach dem Aufstehen verwirrt darum eher, als dass er klärt.

Häufige Fragen

Sollte man sich morgens oder abends wiegen?

Ein einzelner Wert sagt so oder so wenig; besser ist derselbe Zeitpunkt unter gleichen Bedingungen und der Blick auf den Verlauf über Wochen. Morgens nach der Toilette steht die Zahl am niedrigsten, abends nach Essen und Trinken am höchsten. Der Unterschied dazwischen ist Wasser.

Bringt weniger Salz am Abend eine flachere Kontur am Morgen?

Ja, ein weniger salziges Abendessen bindet weniger Wasser, und das Gesicht ist am Morgen darauf oft schmaler. Der Effekt ist klein und betrifft nur den Wasserhaushalt. An der Fettmasse ändert sich nichts.

Warum klemmt der Ring am Morgen?

Weil sich im Liegen auch an den Händen Flüssigkeit sammelt und der langsame Strom sie über Nacht nicht abführt. Die Finger sind darum etwas dicker, bis Bewegung den Abtransport wieder anstößt. Über den Vormittag löst sich das meist von selbst.

Warum ist es an manchen Morgen stärker als an anderen?

Weil sich von Tag zu Tag ändert, wie viel Salz am Vorabend gegessen wurde, wie lange gesessen wurde und in welcher Phase des Zyklus der Körper gerade ist. Auch Hitze und Alkohol wirken in dieselbe Richtung. Das Bild schwankt deshalb, ohne dass sich am Fett etwas bewegt.

Belege

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