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Können Narben den Abtransport behindern?

Eine Narbe durchtrennt die feinen Lymphleitungen an dieser Stelle; durch das feste Narbengewebe laufen sie nicht mehr auf demselben Weg, sodass der Abtransport dort örtlich gebremst sein kann.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer, Kapitel Herz-Kreislauf-System (Lymphgefäßsystem: blind beginnende Lymphkapillaren, Klappen und Flussrichtung, Drainagefunktion); allgemeines Fachwissen zur Wundheilung und zum Narbengewebe

Eine Narbe ist festes Bindegewebe, das der Körper über eine Wunde legt. Durch dieses Gewebe laufen die feinen Lymphleitungen nicht mehr so wie zuvor: Der Schnitt durchtrennt sie, und der Abfluss bricht an der Naht örtlich ab. Weil die Lymphe nur in eine Richtung fließt, kann sich vor einer quer liegenden Narbe Flüssigkeit stauen; der Kaiserschnitt-Bauch ist dafür ein Beispiel, weil die Narbe quer über den Weg zur Leiste läuft. Über Wochen und Monate legt der Körper feine Umgehungen an, über die die Lymphe wieder abfließt. Was eine Narbe an dieser Stelle verschiebt, ist Wasser im Gewebe, nicht die Fettmasse.

Eine Narbe durchtrennt die feinen Leitungen der Lymphe an dieser Stelle. Durch das feste, faserige Ersatzgewebe laufen sie danach nicht mehr auf demselben Weg, und an der Naht bricht der Abfluss örtlich ab. Was von der einen Seite kommt, findet dort schwerer den Anschluss. Der Körper legt mit der Zeit neue Wege daneben an. Das braucht Monate. An mancher Narbe bleibt der Strom an dieser Stelle für eine Weile gebremst.

Was ist eine Narbe, und was ist an ihr anders?

Eine Narbe ist Ersatzgewebe: festes Bindegewebe, das der Körper über eine Wunde legt, weil er die ursprüngliche Struktur nicht Faser für Faser nachbaut. Wo vorher Haut, Fett und ein Geflecht feiner Leitungen lagen, sitzt danach ein dichteres, ärmeres Gewebe. Es hält die Wundränder zusammen und ist belastbar. Dieselbe feine Struktur wie das umliegende Gewebe hat es nicht. Die feinen Lymphleitungen, die im gesunden Gewebe überall blind beginnen und einsammeln, was die Blutgefäße nicht zurücknehmen schmidt-lang-physiologie, fehlen im dichten Narbenstrang oder verlaufen dort spärlicher. Eine frische Narbe ist zudem noch hart und wenig nachgiebig. Eine ältere wird flacher und weicher, doch die feine Struktur darunter kehrt nicht vollständig zurück.

Warum kann eine Narbe den Abtransport örtlich behindern?

Weil der Schnitt die feinen Leitungen durchtrennt, die an dieser Stelle vorher die Flüssigkeit aufnahmen, und das feste Narbengewebe sie nicht auf demselben Weg ersetzt. Das Lymphsystem sammelt überall im Gewebe ein, was das Blut dort zurücklässt: Flüssigkeit, Eiweiß, Zelltrümmer schmidt-lang-physiologie. Diese Fracht wandert in kleinen Leitungen weiter, die sich zu größeren sammeln. Läuft quer durch dieses Netz ein Schnitt, sind die Leitungen an der Linie unterbrochen. Was von der einen Seite kommt, findet nicht ohne Weiteres den Anschluss auf der anderen. Der Körper muss den Umweg erst anlegen. Solange er das nicht getan hat, sammelt sich die Fracht vor der Linie und fließt langsamer ab. An einer kleinen, oberflächlichen Narbe fällt das kaum ins Gewicht, weil das Netz dicht genug ist, um die Lücke nebenher zu füllen. An einer langen oder tiefen Narbe kann der Abfluss an dieser Linie spürbar zäher werden.

Spielt die Tiefe einer Narbe eine Rolle?

Ja, eine tiefe Narbe wiegt für den Abtransport schwerer als eine oberflächliche, weil in der Tiefe die größeren Sammelleitungen laufen. Dicht unter der Haut liegt ein feines, engmaschiges Netz, das die Fläche entwässert. Weiter innen, im Fett und entlang der festen Häute zwischen den Schichten, ziehen wenige größere Leitungen, die den Abfluss einer ganzen Region bündeln. Eine Schramme, die nur die Haut trifft, stört dieses grobe Netz kaum; die Fläche daneben gleicht sie aus. Ein Schnitt, der in die Tiefe reicht, wie er bei einer Operation oder einem Kaiserschnitt nötig ist, kann eine dieser größeren Leitungen queren. Dann ist ein ganzer Sammelweg betroffen, und das macht sich eher bemerkbar als der Ausfall eines feinen Zweigs. Deshalb bleibt eine oberflächliche Wunde meist ohne Folgen für den Abfluss, während eine tiefe Bauchnarbe für eine Weile eine Spur hinterlässt.

Warum staut sich Flüssigkeit eher auf einer Seite der Narbe?

Weil die Lymphe nur in eine Richtung fließt und eine quer liegende Narbe wie eine Schwelle in ihrem Weg wirkt. Kleine Klappen in den Leitungen lassen die Flüssigkeit nur vorwärts durch; zurück kann sie nicht schmidt-lang-physiologie. Der Strom hat also ein Gefälle, von der Fläche hin zu den Sammelstellen. Sitzt eine Narbe quer zu diesem Gefälle, staut sich die Flüssigkeit auf der Seite, die von den Sammelstellen weiter weg liegt. Dorthin, wo sie hinwill, kommt sie schwerer. Deshalb kann eine Stelle oberhalb einer Narbe voller wirken als das Gewebe jenseits davon, besonders nach einem langen Tag im Sitzen oder Stehen, wenn ohnehin wenig den Strom antreibt.

Warum ist der Bauch nach einem Kaiserschnitt ein Sonderfall?

Weil die Kaiserschnittnarbe quer über den Unterbauch verläuft, genau dort, wo die Lymphe des Unterbauchs nach unten zu den Sammelstellen in der Leiste zieht. Die Lymphe der Bauchdecke fließt zu großen Teilen abwärts, den Leistenknoten zu. Eine quere Narbe dicht über dem Schambein legt sich über diesen Weg. Bei mancher Frau bleibt darüber, im Unterbauch, für eine Weile eine weiche, etwas vollere Zone zurück. Das ist zu einem Teil Wasser, das langsamer abfließt, und zu einem Teil gedehnte Haut aus der Schwangerschaft. Hinzu kommt, dass eine solche Narbe tief reicht, durch Haut, Fett und die Häute darunter, und dabei eher einen der größeren Sammelwege quert als eine oberflächliche Schramme. Beides zusammen, die quere Lage und die Tiefe, macht den Unterbauch nach einem Kaiserschnitt zu einer Stelle, an der der Abfluss für eine Weile träger sein kann. Ob an dieser Stelle eine Anwendung überhaupt in Frage kommt, hängt an ganz anderen Dingen, vor allem am Zustand der Bauchwand, und das steht an der Tür. Macht die Narbe selbst Beschwerden, zieht oder schmerzt sie, gehört das ärztlich angesehen.

Bildet der Körper neue Wege um eine Narbe?

Ja, über Wochen und Monate legt der Körper feine Umgehungen neben der Narbe an, über die die Lymphe wieder abfließt. Das Netz ist anpassungsfähig; wird ein Weg unterbrochen, weiten sich benachbarte Leitungen und übernehmen einen Teil der Fracht. Diese Umleitung entsteht nicht über Nacht. In den ersten Wochen nach einem Schnitt ist der Abfluss an der Linie am stärksten gebremst, später gibt sich das oft weitgehend. Der Zeitverlauf ähnelt dem der Narbe selbst: Was anfangs hart und geschwollen ist, wird über Monate flacher und weicher, und im selben Zeitraum finden sich neue Bahnen für den Abfluss. Wie weit das gelingt, hängt von der Größe der Narbe ab, von ihrer Tiefe und davon, wie das Gewebe vernarbt ist. An einer breiten, verhärteten Narbe bleibt eher etwas zurück als an einem schmalen, blassen Strich, weil dort mehr Leitungen betroffen waren und die Umgehung weiter reichen muss.

Merkt man eine solche Behinderung im Alltag?

Meist wenig, weil die betroffene Fläche klein ist und der Körper den Ausfall nebenher auffängt. An vielen Narben spürt man vom gebremsten Abfluss nichts. An einer größeren kann eine Seite zeitweise etwas voller oder praller wirken, vor allem abends und nach langem Stillsitzen. Bewegung und tiefe Atmung, die den Strom im ganzen Gewebe antreiben, wirken auch hier: Sie schieben die Flüssigkeit über die vorhandenen Wege weiter. Bleibt eine Schwellung neben einer Narbe über Tage bestehen, nimmt sie zu oder schmerzt sie, gehört das ärztlich abgeklärt.

Grenzen

Dieser Text beschreibt, wie eine Narbe den Abtransport an einer Stelle bremsen kann. Er sagt nicht, dass jede Narbe das tut, und schon gar nicht in störendem Maß; an den meisten kleinen Narben füllt das Netz die Lücke nebenher. Wie es bei einer einzelnen Narbe aussieht, sagt dieser Beitrag ebenfalls nicht; das hängt von Größe, Tiefe und Vernarbung ab und zeigt sich nur am Einzelfall. Eine Narbe lässt sich von außen nicht auflösen und ihr Verlauf nicht rückgängig machen; darum geht es hier auch nicht. Wo eine Narbe zieht, schmerzt, sich verhärtet oder anhaltend anschwillt, gehört sie ärztlich angesehen.

Unsere Einschätzung

Eine Narbe kann den Wasserabfluss an einer Stelle bremsen, und das verschiebt für eine Weile das Aussehen dieser Stelle. Die Fettmasse darunter bleibt davon unberührt. Für jemanden, der abnehmen will, ist das eine schmale Sache. Eine vollere Zone oberhalb einer alten Narbe ist Wasser im Gewebe, kein zusätzliches Fett, und sie gibt sich, sobald der Abfluss über die neuen Wege wieder läuft. Das Fett, um das es geht, verändert sich über Essen, Bewegung, Schlaf und die eigenen Muster, und das liegt eine Stufe höher als der Wasserhaushalt im Gewebe. Wer an einer Narbe eine kleine Delle oder Fülle sieht, sollte zuerst wissen, ob dort Wasser, Haut oder Fett sitzt, bevor er ihr ein Gewicht gibt, das sie nicht trägt.

Häufige Fragen

Kann eine Narbe Wassereinlagerungen verursachen?

An einer größeren Narbe kann sich der Abfluss an einer Seite stauen, sodass die Stelle zeitweise voller wirkt. An kleinen Narben füllt das Netz die Lücke meist nebenher, und man merkt nichts. Bleibt eine Schwellung über Tage, gehört sie ärztlich angesehen.

Bringt Bewegung etwas, wenn sich neben einer Narbe etwas staut?

Ja, Bewegung und tiefe Atmung treiben den Strom im ganzen Gewebe an und schieben die Flüssigkeit über die vorhandenen Wege weiter. Das wirkt auch rund um eine Narbe. Ein besonderes Vorgehen braucht es dafür nicht.

Verschwindet die Behinderung mit der Zeit?

Meist gibt sie sich weitgehend, weil der Körper über Wochen und Monate neue Wege neben der Narbe anlegt. Wie weit, hängt von Größe, Tiefe und Vernarbung ab. An einer breiten, verhärteten Narbe bleibt eher etwas zurück.

Muss man eine alte, reizlose Narbe überhaupt beachten?

In den meisten Fällen nicht, denn an einer flachen, blassen Narbe fließt die Lymphe über die Umgehungen wieder ab. Auffällig wird es nur an großen oder tiefen Narben. Fühlt sich eine alte Narbe verhärtet an oder schwillt sie an, gehört sie angesehen.

Ist eine geschwollene Stelle neben einer Narbe ein Grund zur Sorge?

Eine leichte, vorübergehende Fülle nach einem langen Tag ist meist harmlos und geht mit Bewegung zurück. Das ist der Normalfall. Nimmt die Schwellung zu, bleibt sie über Tage oder schmerzt sie, ist das eine Frage für ärztliche Abklärung.

Belege

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