Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer, Kapitel Herz-Kreislauf-System (Mikrozirkulation, Kapillaraustausch) und Energiehaushalt (Durchblutung und Energieverbrauch der Gewebe, Fettstoffwechsel); kein gerätebezogener Beleg
Das Fettgewebe steht über ein Netz kleinster Gefäße ständig mit dem Blut in Verbindung. Über diese feine Durchblutung, die Mikrozirkulation, kommt der Sauerstoff und das Signal, das die Fettzellen zum Freigeben auffordert, und über sie wandert das abgegebene Fett wieder fort. Wo wenig Blut fließt, läuft beides langsamer, und eine Stelle gibt ihr Fett zögerlicher her. Bewegung weitet die kleinen Gefäße und verbessert die Versorgung, ihr größerer Nutzen beim Abnehmen ist aber der Energieverbrauch der Muskeln. Die Durchblutung macht das Fettgewebe erreichbar; ob der Körper etwas hergibt, entscheidet die Bilanz über die Zeit.
Fett verlässt eine Zelle nur, wenn Blut sie erreicht. Das Signal, das die Zelle zum Freigeben auffordert, kommt über das Blut, und was sie hergibt, wandert über das Blut wieder fort schmidt-lang-physiologie. Ohne diese Versorgung bleibt das Fett liegen, wo es liegt. Wie gut ein feines Netz aus kleinsten Gefäßen das Fettgewebe erreicht, entscheidet deshalb mit, wie zügig eine Stelle nachgibt. An manchen Stellen ist dieses Netz dicht, an anderen spärlich.
Was hat die Durchblutung mit dem Fettgewebe zu tun?
Die Durchblutung bringt dem Fettgewebe Sauerstoff und die Signale, die es steuern, und sie trägt fort, was die Fettzellen abgeben. Jede Fettzelle liegt an einem feinen Gefäß, über das sie mit dem Rest des Körpers verbunden ist. Braucht der Körper Energie, schickt er ein Signal durch das Blut, und die Fettzellen geben ihren Vorrat ab schmidt-lang-physiologie. Der Kreislauf trägt dieses Fett zu den Muskeln, die es verbrennen. Kommt an einer Stelle wenig Blut an, so trifft dort auch das Signal spärlich ein, und das Abgegebene wandert langsamer fort. Das Fettgewebe steht damit ständig mit dem Blut in Verbindung und arbeitet nur so gut, wie es versorgt wird.
Was ist mit der feinen Durchblutung gemeint?
Gemeint ist das Netz der kleinsten Gefäße, in dem das Blut den eigentlichen Austausch mit dem Gewebe vollzieht. Die großen Adern bringen das Blut nur in die Nähe. Die Übergabe an die Zellen geschieht in den feinsten Verzweigungen, den Kapillaren, die so dünn sind, dass die Blutkörperchen einzeln hindurchmüssen. Man nennt dieses Netz die Mikrozirkulation. Hier gibt das Blut Sauerstoff und Nährstoffe ab und nimmt auf, was die Zellen loswerden wollen. An jeder Stelle tritt dabei etwas Flüssigkeit mit gelösten Stoffen ins Gewebe aus, und der größte Teil kehrt am Ende der Kapillare wieder ins Blut zurück schmidt-lang-physiologie. Was übrig bleibt, nimmt das Lymphsystem auf, das zweite Leitungsnetz daneben. Die Mikrozirkulation ist die Ebene, auf der der Körper das Fettgewebe wirklich erreicht.
Wie kommt freigesetztes Fett aus dem Gewebe heraus?
Es geht ins Blut über und wird mit dem Strom fortgetragen, sobald eine Fettzelle ihren Vorrat abgibt. Das Fett liegt in der Zelle als großer Tropfen. Kommt das Signal zum Abbauen an, zerlegt die Zelle diesen Tropfen und lässt die Bausteine in die feinen Gefäße daneben. Von dort nimmt der Kreislauf sie auf und bringt sie dorthin, wo gerade Energie gebraucht wird, meist in die arbeitende Muskulatur schmidt-lang-physiologie. Der Abtransport hängt damit unmittelbar an der Durchblutung. Läuft an einer Stelle viel Blut, wird das Abgegebene rasch abgeholt und macht Platz für mehr. Läuft wenig, staut es sich vor Ort, und die Zelle gibt zögerlicher nach. Ein zweiter Weg führt über die Lymphe, die das aufnimmt, was die feinen Blutgefäße zurücklassen. Der Hauptweg für das freigesetzte Fett bleibt das Blut.
Wohin lenkt der Körper sein Blut?
Der Körper verteilt sein Blut nach Bedarf und schickt dorthin mehr, wo gerade Arbeit anfällt. Die Menge, die das Herz auswirft, ist begrenzt, und der Körper teilt sie ständig neu auf. Nach einer Mahlzeit läuft viel Blut in den Darm, unter Anstrengung in die arbeitenden Muskeln, bei Hitze in die Haut. Ein Gewebe, das ruht, bekommt in dieser Zeit weniger ab. Kleine Ringmuskeln am Eingang der feinsten Gefäße öffnen und schließen sie und regeln so, wie viel Blut wo hindurchläuft schmidt-lang-physiologie. Das Fettgewebe steht in dieser Rangordnung weit hinten. Es meldet selten dringenden Bedarf, und so fließt dorthin vor allem das, was übrig bleibt, wenn die tätigen Gewebe versorgt sind. Wer lange still sitzt, drosselt die Durchblutung in großen Teilen des Körpers, bis sie auf das Nötigste sinkt. Erst wenn etwas Bedarf anmeldet, ein Muskel, der zieht, eine Mahlzeit, die verdaut wird, öffnet der Körper die Gefäße dorthin wieder weit.
Warum geben schlecht durchblutete Stellen ihr Fett langsamer ab?
Weil an ihnen weniger Blut vorbeiläuft, das das Signal heranträgt und das Abgegebene abholt. Wo das Netz der kleinsten Gefäße dünner ist, kommt beides langsamer voran: Das Signal erreicht die Zellen spärlicher, und was sie hergeben, wandert träger fort. Gerade die Polster, die dem Abnehmen am längsten widerstehen, sitzen oft an solchen Stellen. Dort liegt viel Fettgewebe und wenig arbeitende Muskulatur, und wo kein Muskel zieht, öffnen sich die kleinen Gefäße seltener weit. Solche Stellen fühlen sich häufig etwas kühler an, weil dort weniger warmes Blut ankommt. Dass die zähen Depots ihr Fett langsamer hergeben, hat aber noch einen zweiten Grund: Die Fettzelle selbst spricht dort träger auf das Freigabesignal an. Das ist ein Thema für sich.
Wie fördert Bewegung die Durchblutung?
Sobald ein Muskel arbeitet, öffnet der Körper in ihm und um ihn herum mehr kleine Gefäße und schickt mehr Blut hindurch. Ein Muskel, der zieht, braucht Sauerstoff, und der Körper antwortet, indem er die Durchblutung an Ort und Stelle hochfährt. Dabei steigt auch der Strom durch das Fettgewebe, das zwischen und über den Muskeln liegt. Wer sich bewegt, versorgt seine Gewebe also besser als jemand, der still sitzt. Über Stunden am Schreibtisch fährt der Körper die Durchblutung in den ruhenden Teilen herunter, bis sie auf das Nötigste beschränkt ist. Kommt Bewegung dazu, weiten sich die Gefäße wieder. Das ist einer der Gründe, warum Bewegung beim Abnehmen zählt, wenn auch nicht der wichtigste. Der große Hebel der Bewegung ist der Energieverbrauch der arbeitenden Muskeln; die bessere Durchblutung kommt als Begleiterscheinung dazu und macht das Fettgewebe leichter erreichbar.
Warum ist das Fettgewebe schwächer durchblutet als Muskeln?
Fettgewebe verbraucht in Ruhe wenig Energie und bekommt darum von Natur aus weniger Blut als die Muskulatur. Muskelgewebe arbeitet ständig und zieht auch in Ruhe Blut; Fettgewebe ist überwiegend Speicher und kommt mit weniger aus schmidt-lang-physiologie. Wächst ein Depot, wächst das Gefäßnetz darin nicht immer im gleichen Maß mit. Dann liegen die Fettzellen weiter von der nächsten Versorgung entfernt, und der Austausch mit dem Blut wird träger. Das betrifft besonders die großen Polster, die seit Langem bestehen. Mit den Jahren nimmt die Durchblutung im Gewebe ohnehin eher ab. Deshalb geben lange bestehende Stellen ihr Fett oft noch etwas widerwilliger her als frisch angelegte.
Grenzen
Eine bessere Durchblutung erleichtert den Austausch mit dem Fettgewebe, sie zwingt den Körper aber nicht, an einer bestimmten Stelle Fett abzugeben. Solange über die Zeit nicht weniger Energie hereinkommt, als der Körper verbraucht, gibt die Zelle nichts her, gleich wie gut das Blut fließt. Wärme, Massage oder Druck von außen lassen die Haut kurz stärker durchblutet und praller wirken; an der Fettschicht darunter ändern sie wenig. Punktuell an einer Wunschstelle abnehmen lässt sich über die Durchblutung nicht. Bleibt eine Stelle auffällig kühl, verfärbt oder schmerzt sie, oder schwillt ein Bein einseitig an, gehört das ärztlich abgeklärt.
Unsere Einschätzung
Für die Frau, die abnehmen will, ordnet die Durchblutung eine verbreitete Hoffnung ein. Es klingt naheliegend, ein Polster ließe sich lösen, indem man die Stelle wärmt, knetet oder besser durchblutet. Die Durchblutung ist aber nicht der Schalter, der das Fett löst, sondern der Weg, auf dem es kommt und geht. Sie macht das Fettgewebe erreichbar; ob der Körper etwas hergibt, entscheidet die Bilanz über die Zeit. Was an der Oberfläche rasch sichtbar wird, eine kurz stärker durchblutete, prallere Haut, sagt über das Fett darunter wenig. Was am meisten entscheidet, arbeitet langsamer und liegt höher: wie viel der Körper über den Tag verbraucht und wie viel hereinkommt. Bewegung zahlt auf beides ein, auf die Durchblutung und auf den Verbrauch. Der Verbrauch wiegt schwerer. Wer die bessere Durchblutung für den eigentlichen Hebel hält, arbeitet an der Begleiterscheinung und lässt die Ursache, wie sie ist.
Häufige Fragen
Kann man Fett durch bessere Durchblutung an einer Stelle gezielt abbauen?
Gezielt an einer Wunschstelle geht das nicht. Eine bessere Durchblutung erleichtert den Austausch mit dem Fettgewebe, doch sie zwingt den Körper nicht, ausgerechnet dort Fett freizugeben. Ohne ein Energiedefizit über den ganzen Körper gibt die Zelle nichts her. Wo zuerst etwas weicht, bestimmt der Körper.
Was ändern Wärme und Massage an einem Fettpolster?
Für einen Moment lassen Wärme und Massage die Haut stärker durchblutet und praller wirken. An der Fettschicht darunter ändert das wenig. Der sichtbare Effekt betrifft die Haut und den Wasserhaushalt im Gewebe, nicht die Menge des Fetts, und er hält nur kurz an.
Warum fühlen sich manche Fettpolster kühler an?
Weil dort weniger warmes Blut ankommt. Stellen mit viel Fett und wenig arbeitender Muskulatur sind oft schwächer durchblutet, und schwächer durchblutetes Gewebe bleibt kühler. Das ist ein grober Anhalt. Was es im Einzelfall bedeutet, sagt der Griff nicht.
Regt Bewegung die Durchblutung im Fettgewebe an?
Ja. Sobald Muskeln arbeiten, weiten sich die kleinen Gefäße, und mehr Blut läuft durch die arbeitende Region, auch durch das Fettgewebe dort. Der größere Nutzen der Bewegung beim Abnehmen bleibt aber der Energieverbrauch der Muskeln. Die bessere Durchblutung kommt dazu.
Ist eine schlechte Durchblutung ein ärztliches Thema?
Sie kann eines sein. Anhaltend kalte Füße oder Hände, eine bläuliche Verfärbung, Schmerzen beim Gehen oder eine einseitige Schwellung gehören ärztlich abgeklärt. Ein Fettpolster, das sich etwas kühler anfühlt, ist für sich kein Krankheitszeichen. Ob eine Durchblutungsstörung vorliegt, zeigt eine ärztliche Untersuchung.