Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer; allgemeine Physiologie der Fettfreisetzung, des Energiehaushalts und der Durchblutung des Fettgewebes; keine gerätebezogenen Studien
Manche Fettpolster weichen dem Abnehmen am längsten, weil die Fettzellen dort ihr Fett langsamer hergeben. Zwei Dinge kommen zusammen: An diesen Stellen sitzen mehr von den Empfangsstellen, die das Freigeben bremsen, und die Durchblutung ist geringer, sodass Signal und Abtransport langsamer laufen. Wo die zähen Stellen liegen, geben die Hormone vor: bei Frauen meist Hüften und Oberschenkel, bei Männern der Bauch. Mit anhaltendem Abnehmen weichen auch sie, nur später als der Rest, weil der Körper sie in seiner Reihenfolge nach hinten stellt. Eine sehr ausgeprägte, druckempfindliche Fettverteilung an Beinen oder Armen kann eine Erkrankung wie das Lipödem sein und gehört ärztlich abgeklärt.
Hüftgold, die Reiterhosen an den Oberschenkeln, der Rand am Unterbauch — diese Stellen weichen dem Abnehmen am längsten. Wer Gewicht verliert, sieht es zuerst im Gesicht, am Hals, an den Armen. Die zähen Depots halten, während der Rest schon schlanker wird. Das liegt nicht am Willen und nicht an der falschen Übung. Es liegt an der Fettzelle selbst und daran, wie rasch sie ihr Fett wieder hergibt.
Warum weichen manche Fettpolster erst ganz zuletzt?
Die Fettzellen an diesen Stellen geben ihr Fett langsamer frei als anderswo. Sie sprechen träger auf das Signal an, das sie zum Freigeben auffordert, und sie sind schlechter durchblutet. Beides zusammen lässt ein Polster stehen, während der Körper an gut erreichbaren Stellen längst abbaut. Die Stelle ist nicht deshalb zäh, weil dort mehr Fett läge. Sie ist es, weil das Fett dort schwerer aus der Zelle kommt. Wer stark abnimmt, verliert am Ende meist auch dort etwas. Nur steht diese Stelle in der Reihenfolge, die der Körper abarbeitet, weit hinten. Viele erleben das als Widerspruch. Die Hose sitzt lockerer, das Gesicht wirkt schmaler, und ausgerechnet die eine Stelle, um die es eigentlich geht, sieht fast unverändert aus.
Wie gibt eine Fettzelle ihr Fett überhaupt her?
Eine Fettzelle gibt ihr Fett ins Blut ab, sobald ein Signal sie dazu auffordert, und von dort gelangt es dorthin, wo gerade Energie gebraucht wird schmidt-lang-physiologie. Braucht der Körper mehr Energie, als über das Essen hereinkommt, schickt er dieses Signal über das Blut an die Fettzellen. Die Zelle öffnet sich und gibt ihren Vorrat ab. Das Fett liegt in ihr als ein großer Tropfen. Kommt das Signal an, zerlegt die Zelle diesen Tropfen und lässt die Bausteine ins Blut, denn erst gelöst und in kleinen Teilen kann das Fett heraus. Der Kreislauf trägt es zu den Muskeln, die es verbrennen. Dieser Weg läuft über den ganzen Körper. Das Signal erreicht jede Fettzelle, doch nicht jede antwortet gleich schnell. An dieser Stelle trennen sich die leichten von den zähen Depots.
Warum spricht das Fett an manchen Stellen träger auf das Signal an?
An den zähen Stellen sitzen mehr von den Empfangsstellen, die das Freigeben bremsen, als von denen, die es anstoßen. An jeder Fettzelle sitzen solche Empfangsstellen, an denen das Signal andockt. Ein Teil davon stößt das Freigeben an, ein anderer bremst es. Wie eine Zelle reagiert, hängt davon ab, welche Sorte überwiegt. Wo die bremsenden überwiegen, kommt das Fett nur zögerlich heraus, obwohl dasselbe Signal ankommt wie überall. Man kann sich die zwei Sorten wie Gas und Bremse vorstellen. An den leichten Stellen gibt die Zelle auf das Signal hin Gas und lässt das Fett heraus. An den zähen tritt zugleich eine kräftige Bremse, sodass unterm Strich wenig herauskommt. Wie viele Andockstellen von jeder Sorte an einer Stelle sitzen, ist zu einem guten Teil angelegt und über die Hormone mitbestimmt.
Was hat die Durchblutung damit zu tun?
Schlecht durchblutete Stellen geben ihr Fett langsamer frei, weil dort weniger Blut durchfließt. Das Signal, das die Freigabe anstößt, kommt mit dem Blut. Und das freigegebene Fett wird mit dem Blut abtransportiert schmidt-lang-physiologie. Wo wenig Blut fließt, läuft beides langsamer: Das Signal erreicht die Zellen spärlicher, und was sie hergeben, staut sich, statt zügig abzuwandern. Gerade die Polster, die seit Jahren halten, sitzen oft dort, wo die Durchblutung von Natur aus geringer ist. An solchen Stellen liegt viel Fettgewebe und wenig arbeitende Muskulatur, und wo wenig Muskel zieht, öffnen sich auch die kleinen Gefäße seltener. So bleibt die Versorgung gedrosselt, im Ruhezustand wie in Bewegung. Solche Stellen fühlen sich häufig kühler an, weil dort weniger warmes Blut ankommt.
Warum widerstehen diese Stellen dem Sport besonders?
Beim Sport schüttet der Körper Signale aus, die das Freigeben von Fett fast überall anstoßen, und ausgerechnet an den zähen Stellen fangen die bremsenden Andockstellen einen Teil davon ab. Wer trainiert, versetzt den ganzen Körper in einen Zustand, in dem er Reserven öffnet. An gut ansprechenden Stellen läuft die Freigabe dann zügig. An den zähen dämpft die Bremse den Anstoß, sodass dort weniger herauskommt, obwohl das Signal kräftig ist. Dazu kommt die geringere Durchblutung, die auch unter Belastung nicht so stark zunimmt wie an aktiveren Stellen. Deshalb spürt mancher nach Monaten Training überall eine Veränderung, nur an der einen Stelle kaum. Der Einsatz ist dann nicht zu klein. Die Zellen dort antworten schwächer auf den Reiz.
Warum sitzen die zähen Stellen bei Frauen und Männern an verschiedenen Orten?
Die Hormone geben vor, wo der Körper sein Fett bevorzugt hält, und deshalb liegen die zähen Stellen meist bei Frauen an Hüften und Oberschenkeln, bei Männern am Bauch. Das Muster ist zu einem großen Teil angelegt und ändert sich mit den Lebensphasen. In den Wechseljahren etwa verschiebt sich die Verteilung, weil die Hormonlage sich ändert. Welche Stelle im Einzelnen zäh bleibt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die Neigung nach Geschlecht ist eine grobe Regel, keine feste. Wie Östrogen und Testosteron die Verteilung im Einzelnen lenken, steht in einem eigenen Text.
Ändern sich die zähen Stellen im Lauf des Lebens?
Ja, die Verteilung verschiebt sich mit den Jahren und mit der Hormonlage. Was in jüngeren Jahren an einer Stelle zäh blieb, kann später woanders sitzen. Mit den Wechseljahren wandert bei vielen Frauen ein größerer Teil in die Körpermitte, weil sich die Hormone ändern und mit ihnen die Orte, an denen der Körper bevorzugt einlagert. Auch das Gewebe altert: Die Durchblutung nimmt mit den Jahren eher ab, und die zähen Stellen geben ihr Fett dann noch etwas widerwilliger her. Die Grundordnung bleibt bestehen, während sich ihre Orte verschieben.
Gehen die zähen Stellen mit genug Geduld doch weg?
Mit anhaltendem Abnehmen geben auch die zähen Stellen nach, nur später als der Rest. Der Körper baut sein Fett aus dem ganzen Vorrat ab, in einer Reihenfolge, die er selbst vorgibt. Die zähen Stellen stehen in dieser Reihenfolge hinten. Deshalb sieht man dort zuletzt etwas, auch wenn die Waage längst sinkt. Häufig sind es dieselben Stellen, an denen sich beim Zunehmen das Fett zuerst wieder anlegt. Was zuletzt geht, kommt zuerst zurück. Wie der ganze Körper sein Fett abgibt und warum sich eine Wunschstelle nicht gezielt ansteuern lässt, steht an anderer Stelle.
Grenzen
Dieser Text erklärt, warum manche Fettzellen ihr Fett langsamer hergeben, nicht, wie schnell oder wie viel ein einzelner Mensch insgesamt verliert. Das hängt an Essen, Bewegung, Schlaf und dem eigenen Körper. Die Reihenfolge, in der Fett verschwindet, ist von Mensch zu Mensch verschieden, und die Muster nach Geschlecht sind eine grobe Neigung. Es gibt zudem eine Form der Fettverteilung, die über das gewöhnliche Polster hinausgeht: Beim Lipödem legt sich Fett vermehrt und oft druckempfindlich an Beinen oder Armen an, unabhängig vom übrigen Gewicht. Was im Einzelfall gegen eine Anwendung mit Kälte spricht, gehört in den Fit Call.
Unsere Einschätzung
Für die Frau, die abnehmen will, ordnet das eine zähe Stelle richtig ein. Wo und wie schnell Fett weicht, geben die Fettzelle und die Hormone vor, und nicht die Übung an der Stelle. Eine hartnäckige Hüfte ist keine Frage des Willens, sondern der Empfangsstellen an der Zelle und der Durchblutung. Das ist der Grund, warum so viele an einem Polster verzweifeln, das trotz Mühe bleibt. Sie messen ihren Erfolg an der Stelle, die der Körper zuletzt hergibt. Das schnell Sichtbare ist der Anfang; was am meisten entscheidet, sieht man am spätesten. Die zähe Stelle gehört zur ersten Sorte. Sie ist die Kontur, die man sieht, während das Gewicht über den ganzen Körper und über die Zeit fällt. Die Hormone, die im Hintergrund steuern, wo das Fett sitzt, wiegen schwerer als das Polster, das gerade stört.
Häufige Fragen
Warum gehen Bauch und Hüften beim Abnehmen als Letztes weg?
Weil die Fettzellen dort ihr Fett langsamer hergeben. Sie reagieren träger auf das Signal, das die Freigabe anstößt, und sie sind schlechter durchblutet. Der Körper baut deshalb an gut erreichbaren Stellen zuerst ab. Bauch und Hüften stehen in seiner Reihenfolge weiter hinten und weichen später, oft erst, wenn der Rest schon deutlich schlanker ist.
Kann ich die zähen Stellen mit Sport gezielt erreichen?
Gezielt an einer Stelle nicht. Der Körper holt das Fett, das er verbrennt, aus dem ganzen Vorrat und nicht aus dem Polster über dem arbeitenden Muskel. Bewegung senkt den Fettanteil über die Zeit am ganzen Körper. Welche Stelle zuerst nachgibt, bestimmt sie nicht.
Bringt es etwas, die Durchblutung an der Stelle anzuregen?
Eine bessere Durchblutung kann den Abtransport erleichtern, doch sie zwingt den Körper nicht, ausgerechnet dort Fett freizugeben. Ohne ein Energiedefizit über den ganzen Körper gibt die Zelle nichts her. Massage oder Wärme lassen die Haut kurz praller wirken, an der Fettschicht darunter ändern sie wenig.
Warum sind es bei Frauen die Oberschenkel und bei Männern eher der Bauch?
Weil die Hormone vorgeben, wo der Körper sein Fett bevorzugt hält. Bei vielen Frauen sind das Hüften und Oberschenkel, bei vielen Männern der Bauch. Das Muster ist angelegt und verschiebt sich mit den Lebensphasen, etwa in den Wechseljahren. Es ist eine grobe Neigung und keine feste Regel.
Ist eine sehr hartnäckige Fettverteilung ein ärztliches Thema?
Sie kann eines sein. Legt sich Fett vermehrt und druckempfindlich an Beinen oder Armen an, unabhängig vom übrigen Gewicht, kann eine Erkrankung wie das Lipödem dahinterstehen. Das erkennt allein die ärztliche Seite. Ein hartnäckiges, aber gewöhnliches Polster ist dagegen kein Krankheitszeichen. Es ist die normale Ordnung, in der der Körper sein Fett abbaut.
Bleibt eine hartnäckige Stelle für immer, wenn Sport und Diät nichts ändern?
Meist nicht. Auch die zähe Stelle gibt nach, sobald der Körper über längere Zeit mehr verbraucht, als er bekommt, nur langsamer und später als der Rest. Bleibt trotz deutlichem Gewichtsverlust ein umschriebenes, druckempfindliches Polster an Beinen oder Armen bestehen, ist das eine Frage für die ärztliche Seite.