Ruhe

Was unterscheidet Sympathikus und Parasympathikus?

Der eine Zweig des unwillkürlichen Nervensystems macht den Körper bereit für Anstrengung, der andere schaltet ihn auf Ruhe und Erholung, und gesund ist der Wechsel zwischen beiden.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer; Kapitel zum vegetativen (unwillkürlichen) Nervensystem und zu Verdauung und Energiehaushalt (Sympathikus und Parasympathikus als gegenläufige Zweige, Ruhe- und Verdauungsfunktion der parasympathischen Seite, enterisches Nervensystem)

Das vegetative oder unwillkürliche Nervensystem hat zwei Zweige, die den Körper gegenläufig einstellen. Der Sympathikus macht bereit für Anstrengung: schnellerer Herzschlag, angespannte Muskeln, wache Sinne. Der Parasympathikus schaltet auf Ruhe, Verdauung und Erholung und senkt den Puls wieder. Gesund ist der Wechsel zwischen beiden Zuständen; bleibt der Körper über Wochen in Anspannung, fehlt ihm die Erholung.

Der Körper hat zwei Grundeinstellungen und wechselt den ganzen Tag zwischen ihnen. Die eine macht bereit: das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen an, die Sinne richten sich nach außen. Die andere fährt herunter und stellt auf Ruhe, Verdauung und Erholung. Beide gehören zu dem Teil des Nervensystems, der ohne einen Gedanken abläuft schmidt-lang-physiologie und sich so wenig steuern lässt wie der Herzschlag. Die eine Seite heißt Sympathikus, die andere Parasympathikus. Die Namen zählen wenig. Wichtiger ist, dass keine von beiden allein das Kommando behalten soll.

Was unterscheidet Sympathikus und Parasympathikus?

Der eine Zweig stellt den Körper auf Anspannung und Bereitschaft, der andere auf Ruhe und Erholung; beide gehören zum unwillkürlichen Nervensystem schmidt-lang-physiologie. Der Sympathikus ist die bereitmachende Seite. Er treibt den Herzschlag hoch, spannt die Muskeln und schiebt Energie ins Blut, damit der Körper rasch handeln kann. Der Parasympathikus ist die ruhige Seite. Er senkt den Puls, lässt die Muskeln locker und stellt den Körper auf Erholung. Auf ihn läuft auch die Verdauung, die in Ruhe am besten arbeitet schmidt-lang-physiologie. Der Darm hat dafür sogar ein eigenes Nervengeflecht, das seinen Takt vorgibt und mit dem Gehirn in Verbindung steht schmidt-lang-physiologie. Am ungestörtesten arbeitet es, wenn die ruhige Seite führt. Ein Bild aus dem Auto macht es greifbar: Die bereitmachende Seite ist das Gaspedal, die ruhige die Bremse. Keiner der beiden Zustände ist für sich der bessere. Der Körper braucht beide und vor allem den Wechsel dazwischen.

Wann übernimmt welche Seite im Alltag?

Welche Seite führt, hängt davon ab, was der Moment verlangt, und im Lauf eines Tages lösen sich beide ständig ab. Beim Treppensteigen, unter Zeitdruck, bei Ärger oder Schreck übernimmt die bereitmachende Seite. Nach dem Essen, beim Ausruhen und im Schlaf bekommt die ruhige mehr Gewicht. So pendelt der Körper hin und her, oft im Minutentakt, ohne dass man etwas davon bemerkt. Ein kurzer Ausschlag nach oben gehört dazu. Gesund ist dieser Wechsel gerade dann, wenn er beweglich bleibt und der Körper nach der Anspannung wieder herunterfährt. Man kann sich das Nervensystem wie eine Waage denken, die selten stillsteht und ständig nachjustiert.

Sind immer beide Seiten zugleich aktiv?

Ja, keine der beiden Seiten ist je ganz aus; beteiligt sind immer beide, und was sich ändert, ist ihr Verhältnis. Der Körper kennt keinen Schalter, der von Anspannung auf Ruhe springt. Er hat eher einen Regler, der sich in die eine oder andere Richtung schiebt. Auch in tiefer Ruhe bleibt ein Rest Bereitschaft, und selbst unter Druck arbeitet die ruhige Seite weiter, nur leiser. Das erklärt, warum sich Zustände mischen können. Man kann müde und zugleich aufgedreht sein, wenn die eine Seite hochfährt, während die andere noch nachhält. Ein gesundes Nervensystem kann Anspannung wieder loslassen, und dass sie überhaupt auftritt, sagt für sich noch nichts. Für den Alltag zählt vor allem das Verhältnis. Die bereitmachende Seite gehört dazu; sie braucht die ruhige als Gegengewicht, damit der Körper danach wieder herunterkommt.

Was bedeutet Kampf-oder-Flucht?

Die bereitmachende Seite stellt den Körper darauf ein, sich zu wehren oder wegzulaufen, und dieses alte Muster läuft heute bei jeder Anspannung an. Früher galt es der Gefahr durch ein Tier oder einen Gegner. Der Körper machte in Sekunden Kraft frei: mehr Puls, gespannte Muskeln, schnellere Atmung. Heute sitzt der Auslöser meist im Kopf. Eine Frist, ein Streit, eine schlechte Nachricht reichen. Der Körper unterscheidet dabei kaum, ob die Gefahr aus dem Wald kommt oder aus dem Postfach. Er reagiert gleich. Das ist der Grund, warum man nach einem harmlosen Streit noch eine Stunde später ein Herzklopfen spürt: Der Anlass ist vorbei, die Bereitschaft läuft nach. Für den kurzen Moment ist das sinnvoll und geht danach von selbst vorbei. Zum Thema wird es erst, wenn der Körper aus dieser Bereitschaft nicht mehr herausfindet.

Warum schadet dauernde Anspannung?

Weil der Körper darauf gebaut ist, nach der Anspannung wieder in die Ruhe zu wechseln, und ihm die Erholung fehlt, wenn dieser Rückweg ausbleibt. Auf der ruhigen Seite laufen die Vorgänge, die den Körper wieder in Ordnung bringen: Verdauung, Schlaf, das Auffüllen der Reserven schmidt-lang-physiologie. Bleibt die bereitmachende Seite über Wochen vorn, kommen diese Vorgänge zu kurz. Der Schlaf wird flacher, die Verdauung unruhig, die innere Unruhe bleibt, auch wenn kein Anlass mehr da ist. Das ist kein plötzlicher Umschlag, eher eine Verschiebung über die Zeit. Viele kennen den Zustand, in dem sie abends nicht abschalten und morgens schon angespannt aufwachen. Der Körper steht dann unter Strom, obwohl nichts geschieht, müde und zugleich getrieben. Über Wochen zehrt das an den Reserven, weil die Erholung ausbleibt, die sonst nachts nachkommt. Der Rückweg in die Ruhe wird nicht unmöglich, doch er dauert länger und braucht mehr, um überhaupt anzuspringen. Wo das über längere Zeit anhält und Beschwerden dazukommen, gehört es ärztlich abgeklärt.

Woran merkt man, welche Seite gerade führt?

An ein paar Zeichen im Körper lässt sich grob ablesen, in welchem Zustand man gerade steht. Führt die bereitmachende Seite, geht der Atem flacher und schneller. Die Hände werden kühl, die Schultern ziehen hoch, im Kopf jagt es. Führt die ruhige Seite, wird der Atem tief, die Hände warm, der Magen meldet sich, der Blick weitet sich. Das sind gewöhnliche Verschiebungen, wie sie jeder Tag mit sich bringt. Wer bei sich bemerkt, dass die Anspannung selten nachlässt, hat einen Anlass, dem Wechsel wieder mehr Raum zu geben.

Lässt sich der Wechsel beeinflussen?

Bei Gesunden lässt sich der ruhigen Seite ein Stück weit mehr Raum geben, vor allem, indem man ihr die Gelegenheit dazu schafft. Schlaf, Pausen und Bewegung, die die Anspannung abbaut, gehören dazu. Ein Spaziergang nach einem angespannten Tag baut die bereitgestellte Kraft körperlich ab und macht der Ruhe Platz. Feste Zeiten helfen. Die Ruhe wird dann zur Gewohnheit und hängt nicht vom Vorsatz ab. Den geradesten Zugang bietet der Atem, weil er der einzige dieser Vorgänge ist, den man bewusst führen kann; wie das im Einzelnen wirkt, führt eine Stufe tiefer. Die ruhige Seite hängt zu großen Teilen an einem Nervenstrang, dem Vagus, der vom Stammhirn bis in den Bauchraum reicht. Ihn genauer zu verstehen, ist ein Thema für sich. Für den Alltag genügt das Einfache: dem Körper regelmäßig Momente geben, in denen nichts zu verteidigen ist. Das ist Übung der Selbststeuerung und kein Mittel gegen ein Leiden. Ein großer Umschwung ist daraus nicht zu erwarten, eher ein langsames Nachlassen der Daueranspannung.

Grenzen

Was hier steht, ist allgemeine Physiologie. Der Wechsel zwischen Anspannung und Ruhe gehört zum normalen Tag, und ein Zuviel an Anspannung ist für sich noch kein Leiden. Ob hinter anhaltender innerer Unruhe, Schlafproblemen oder Erschöpfung eine Erkrankung steht, klärt allein die ärztliche Seite.

Unsere Einschätzung

Für die Frau, die abnehmen will, scheint das Nervensystem mit dem Gewicht am wenigsten zu tun zu haben, und sitzt doch dicht an der Ursache. Der Wechsel zwischen Anspannung und Ruhe entscheidet mit, wie viel Hunger der Tag bringt und ob der Körper seine Reserve hält oder freigibt. Ein Körper im Dauer-Alarm hält fest, und er tut es aus Vorsicht: solange er Knappheit erwartet, rückt er sein Depot ungern heraus. Regulation lässt kein Fett schmelzen. Sie greift den Zustand auf, aus dem heraus gegessen und gehalten wird, und das braucht Zeit und zeigt sich spät. Genau darum überspringt man sie. Das schnell Sichtbare ist der Anfang; der Wechsel zwischen den beiden Seiten liegt am anderen Ende, weit oben und spät sichtbar. Wer ihn ernst nimmt, arbeitet an einer Schraube, die höher sitzt als das Polster, das sich an der Tür in Tagen ändert.

Häufige Fragen

Kann man Sympathikus und Parasympathikus bewusst steuern?

Nein, direkt nicht. Beide gehören zum Teil des Nervensystems, der ohne Willen abläuft; man kann den Puls nicht auf Befehl senken. Mittelbar bekommt die ruhige Seite mehr Gewicht, wenn man ihr Raum gibt, etwa über ruhige Atmung, Schlaf und Pausen. Gesteuert wird dabei nichts, es wird nur begünstigt.

Ist der Sympathikus schlecht und der Parasympathikus gut?

Nein, beide werden gebraucht. Die bereitmachende Seite ist nötig, um wach, schnell und leistungsfähig zu sein. Die ruhige Seite sorgt für Erholung und Verdauung. Ein Problem entsteht erst, wenn eine von beiden über lange Zeit allein vorn liegt und der Wechsel ausbleibt.

Was hat der Vagusnerv damit zu tun?

Der Vagus ist der wichtigste Strang der ruhigen Seite; er reicht vom Stammhirn bis in den Bauchraum und stellt den ruhigen Grundton. Was er im Einzelnen tut, ist ein Thema für sich. Für das Verständnis der zwei Zweige genügt, dass die ruhige Seite zu großen Teilen an ihm hängt.

Woran merke ich, dass ich ständig unter Anspannung stehe?

Häufig daran, dass die Ruhe selten eintritt: der Schlaf bleibt flach, die Gedanken kreisen, die Schultern sind hochgezogen, auch ohne akuten Anlass. Hält es über längere Zeit an oder kommen Beschwerden dazu, ist die ärztliche Abklärung der richtige Weg.

Kann Anspannung beim Abnehmen im Weg stehen?

Mittelbar ja. Ein Körper, der lange in Bereitschaft steht, meldet eher Appetit und hält seine Reserven fester. Anspannung nimmt niemandem das Abnehmen ab und ist für sich allein keine Ursache. Sie stellt aber den Zustand, aus dem heraus gegessen und gehalten wird.

Belege

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