Schlaf

Warum isst man nach schlechten Nächten mehr?

Nach einer kurzen Nacht meldet der Körper mehr Hunger, und das müde Gehirn gewichtet Süßes und Fettiges stärker; beides schiebt zum Essen, ohne dass Willensschwäche im Spiel ist.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer; allgemeine Physiologie der Appetit- und Energieregulation (Steuerung von Hunger und Sättigung über Botenstoffe); allgemeines Lehrbuchwissen zum Zusammenhang von Schlafmangel, Appetit und Belohnung; keine gerätebezogenen Studien

Nach wenig Schlaf ist der Hunger am nächsten Tag oft größer, und die Hand greift schneller zu Süßem und Fettigem. Dahinter steht keine fehlende Disziplin. Ein müder Körper regelt Hunger und Sättigung anders und verlangt nach schneller Energie, und ein müdes Gehirn gewichtet die Belohnung durch Essen höher. Eine einzelne kurze Nacht wirkt für einen Tag; häufen sich solche Nächte über Wochen, summiert sich der Mehrhunger. Sobald der Schlaf zurückkehrt, pendelt sich der Appetit meist wieder ein.

Nach einer kurzen Nacht ist der Hunger am nächsten Tag oft größer, und die Hand greift schneller zu Süßem und Fettigem. Das kennt fast jeder. Es liegt nicht an fehlender Beherrschung. Ein müder Körper stellt den Appetit anders ein, und ein müdes Gehirn belohnt schnelle Kost stärker als sonst. Über den Tag schiebt beides zum Essen. Der Effekt zeigt sich schon nach einer einzelnen Nacht und braucht keine Wochen, um spürbar zu werden.

Warum hat man nach wenig Schlaf mehr Hunger?

Nach wenig Schlaf hat man mehr Hunger, weil der müde Körper die Regelung von Hunger und Sättigung verstellt. In einer schlechten Nacht bekommt er weniger von der Erholung, auf die er eingestellt ist. Am nächsten Tag meldet er den Hunger früher. Das satte Gefühl kommt später. Dahinter stehen dieselben Botenstoffe, über die der Körper Appetit und Sättigung sonst steuert schmidt-lang-physiologie; nach zu wenig Schlaf verschieben sie sich, und die Richtung ist mehr Appetit. Der Mehrhunger entsteht, obwohl der Bedarf an Energie kaum gestiegen ist.

Warum greift man dann eher zu Süßem und Fettigem?

Nach wenig Schlaf zieht es viele stärker zu Süßem und Fettigem, weil der müde Körper nach schnell verfügbarer Energie verlangt. Süßes und Fettiges liefern rasch viel Energie, und genau danach steht dem Körper nach einer kurzen Nacht der Sinn. Ein Apfel reizt weniger als ein Stück Kuchen. Dazu kommt, dass Essen in der Müdigkeit stärker lockt: Was Genuss verspricht, bekommt mehr Gewicht, wenn man erschöpft ist. Der Griff geht dann öfter zur schnellen Belohnung.

Warum fällt das Widerstehen nach einer schlechten Nacht schwerer?

Nach einer schlechten Nacht fällt das Widerstehen schwerer, weil das müde Gehirn schnelle Belohnung höher gewichtet und die Bremse nachlässt. Der Teil, der die Folgen abwägt, arbeitet bei Müdigkeit langsamer. Zugleich fühlt sich der Anblick von Essen verlockender an, und der Snack am Nachmittag, den man an ausgeschlafenen Tagen übergeht, landet nach einer kurzen Nacht eher im Mund. Selbstbeherrschung ist keine feste Größe. Sie verbraucht sich über den Tag und wird knapp, wenn Schlaf fehlt. So gewinnt der schnelle Griff öfter gegen den Vorsatz vom Morgen.

Warum ist das kein Willensproblem?

Der stärkere Appetit nach wenig Schlaf ist kein Willensproblem, weil Hunger und Belohnung sich dem bewussten Zugriff entziehen. Wer nach einer schlechten Nacht mehr isst, hat sich nicht gehen lassen, sondern trifft auf einen Körper, der auf Erholung wartet. Man kann sich den Hunger nicht wegwünschen. Die Müdigkeit lässt sich nicht durch Vorsatz ersetzen. Das erklärt, warum gute Pläne gerade nach kurzen Nächten kippen. Der Körper stellt hier die Weichen, bevor der Vorsatz zum Zug kommt.

Grenzen

Dieser Text erklärt, warum der Appetit nach wenig Schlaf steigt. Wie viel jemand am nächsten Tag mehr isst, sagt er nicht. Das schwankt von Mensch zu Mensch und hängt am Tag, an der Gewohnheit und an der Verfassung. Auch die Frage, wie viele Stunden Schlaf für Sie genug sind, bleibt offen; dafür gibt es keine feste Zahl. Es geht hier um Schlaf und Appetit im Alltag. Wenn Sie über lange Zeit schlecht schlafen oder sich Ihre Stimmung und Ihr Antrieb verändern, gehört das in ärztliche Hände. Das gilt auch, wenn eine Ärztin oder ein Arzt bei Ihnen etwas festgestellt hat, das Schlaf, Hormone oder Essverhalten betrifft, etwa eine Schilddrüsenerkrankung, eine Depression oder eine Essstörung.

Unsere Einschätzung

Für die Frau, die abnehmen will, wiegt der Schlaf schwerer, als er auf den ersten Blick scheint. Eine einzelne kurze Nacht verschiebt den Appetit und den Griff für einen Tag. Viele solcher Nächte über Wochen summieren sich auf der Waage. Schlaf und Hormone steuern Appetit, Einlagerung und Regeneration; sie entscheiden mehr über das Gewicht als das, was an der Tür schnell sichtbar wird. Das ist unbequem, weil sich an einer einzelnen Nacht wenig zeigt und der Effekt erst über die Zeit auffällt. Was am schnellsten ins Auge fällt, entscheidet dabei am wenigsten, und was am meisten entscheidet, zeigt sich am spätesten. Wer nach schlechten Nächten mehr isst, spürt die Folge einer zu kurzen Nacht.

Häufige Fragen

Reicht eine einzige schlechte Nacht, damit der Appetit steigt?

Ja, oft genügt schon eine kurze Nacht, damit der Hunger am nächsten Tag größer ausfällt. Der Effekt ist an einem einzelnen Tag spürbar und legt sich meist wieder, sobald der Schlaf zurückkommt. Zu Buche schlägt vor allem, wenn kurze Nächte sich über Wochen häufen.

Verschwindet der stärkere Hunger, wenn ich wieder gut schlafe?

Meist ja. Kehrt der Schlaf zurück, pendelt sich der Appetit über einige Tage wieder ein. Der Körper stellt die Regelung von Hunger und Sättigung nach, sobald er die Erholung nachholt. Nach einer einzelnen guten Nacht ist das Gröbste oft schon vorbei.

Hilft Kaffee gegen den Heißhunger nach wenig Schlaf?

Kaffee überdeckt die Müdigkeit. Er beseitigt den Hunger aber nicht. Er kann den Appetit für kurze Zeit dämpfen, an der Ursache aber ändert er nichts, und lässt die Wirkung nach, meldet sich der Hunger wieder. Der fehlende Schlaf bleibt der eigentliche Punkt.

Warum habe ich abends nach einem langen Tag mehr Appetit?

Weil ein langer Tag müde macht. Müdigkeit wirkt dann ähnlich wie eine schlechte Nacht. Gegen Abend ist die Selbstbeherrschung aufgebraucht, das Verlangen nach schneller Belohnung steigt, und was morgens leichtfiel, fällt jetzt schwer. Der Mechanismus ähnelt dem nach einer kurzen Nacht.

Nehme ich zu, wenn ich über lange Zeit schlecht schlafe?

Möglich. Denn wer über Wochen mehr isst, als er verbraucht, legt zu. Schlechter Schlaf ist dabei ein Faktor unter mehreren und selten die alleinige Ursache, er macht das Essen schwerer steuerbar, entscheidet aber nicht allein über das Gewicht. Wie stark er wiegt, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

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