Schlaf

Warum steuert der Schlaf über Ghrelin und Leptin den Hunger?

Zu wenig Schlaf hebt das Hungersignal und senkt das Sattheitssignal, und beide Verschiebungen ziehen am nächsten Tag in dieselbe Richtung: mehr Appetit.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer; allgemeines Lehrbuchwissen zur Appetitregulation und zum Energiehaushalt (Hunger und Sättigung über Botenstoffe aus Magen und Fettgewebe, Anpassung des Appetits an die Reserve); keine gerätebezogenen Studien

Zwei Botenstoffe regeln, wann man Appetit hat und wann man satt ist. Das eine Signal kommt vor allem aus dem Magen und macht Hunger, es heißt Ghrelin; das andere stammt aus dem Fettgewebe und meldet Sättigung, es heißt Leptin. Zu wenig Schlaf verschiebt beide in dieselbe Richtung: mehr vom Hungersignal, weniger vom Sattheitssignal. Der Appetit meldet sich dann früher und stärker, das satte Gefühl kommt später, und die Lust auf schnell Verwertbares wächst. Wer nach kurzen Nächten im Defizit bleiben will, isst gegen einen Körper an, der mehr verlangt und schlechter satt wird.

Nach einer kurzen Nacht ist der Hunger am nächsten Tag größer, und der Griff geht öfter zum Süßen. Das ist keine Einbildung, sondern die Folge einer Verschiebung im Körper. Zwei Botenstoffe regeln, wann man Appetit hat und wann man satt ist. Beide hängen am Schlaf. Zu wenig Schlaf bringt beide aus dem Takt, und zwar in dieselbe Richtung: hin zu mehr Appetit. Wer im Defizit bleiben will, isst dann gegen einen Körper an, der mehr verlangt und schlechter satt wird.

Was machen Ghrelin und Leptin im Körper?

Der eine Botenstoff macht Appetit, der andere meldet dem Gehirn, dass genug da ist. Das Hungersignal kommt vor allem aus dem Magen, wenn er leer ist; es trägt den Namen Ghrelin. Das Sattheitssignal stammt aus dem Fettgewebe und wächst mit den Reserven; es heißt Leptin schmidt-lang-physiologie. Beide zusammen halten Hunger und Sättigung in einem Takt. Mehr braucht der Körper dafür nicht.

Die beiden arbeiten dabei auf verschiedenen Uhren. Das Hungersignal aus dem Magen steigt und fällt rund um die Mahlzeiten, von Stunde zu Stunde. Das Sattheitssignal aus dem Fettgewebe bewegt sich träger und folgt der Reserve über Tage. Steigt das Hungersignal, meldet sich Appetit. Meldet das Sattheitssignal einen gefüllten Speicher, lässt der Hunger nach. So misst der Körper ungefähr, wie viel Vorrat da ist, und stellt den Appetit danach ein schmidt-lang-physiologie. Man spürt davon nichts Einzelnes. Man spürt nur, ob man hungrig ist oder nicht. Genau darum lässt sich diese Steuerung schwer durchschauen: Sie läuft, ohne sich zu melden, und man hält ihr Ergebnis für den eigenen Willen.

Wie verändert zu wenig Schlaf diese beiden Signale?

Zu wenig Schlaf schiebt beide Signale in Richtung mehr Hunger. Nach kurzen Nächten liegt am nächsten Tag mehr vom Hungersignal im Blut und weniger vom Sattheitssignal. Der Appetit meldet sich früher und stärker. Das satte Gefühl kommt später. Der Körper liest den fehlenden Schlaf als eine Belastung und stellt auf mehr Zufuhr.

Das gilt schon nach wenigen kurzen Nächten, nicht erst nach Wochen. Und es betrifft beide Seiten der Waage zugleich: die Seite, die zum Essen drängt, und die Seite, die es bremst. Fällt die eine höher aus und die andere schwächer, verschiebt sich der Punkt, an dem man satt wird. Man isst dieselbe Portion und ist weniger gesättigt als sonst. Wie stark der Ausschlag ist, schwankt von Mensch zu Mensch und hängt auch daran, wie kurz und wie unruhig die Nächte waren.

Warum steigt nach schlechten Nächten die Lust auf Süßes und Fettiges?

Nach schlechten Nächten wächst vor allem die Lust auf schnell Verwertbares, weil der müde Körper rasche Energie sucht. Das Hungersignal lenkt den Appetit dann weniger auf eine ausgewogene Mahlzeit als auf Süßes und Fettiges. Dazu kommt der müde Kopf. Ein Gehirn, das zu wenig geschlafen hat, steuert schlechter gegen, und der spontane Griff gewinnt gegen die Absicht.

So entsteht der Heißhunger, den viele vom Tag nach einer schlechten Nacht kennen. Er fühlt sich dringlich an. Fast immer richtet er sich auf dasselbe: auf das, was schnell Energie bringt. Am Abend fällt das noch stärker aus, wenn die Kraft zum Gegensteuern über den Tag verbraucht ist. Wer dann plant, gegen den Appetit anzukommen, kämpft an zwei Fronten gleichzeitig.

Warum bleibt man mit zu wenig Schlaf schwerer im Defizit?

Wer wenig schläft, muss gegen mehr Appetit und ein schwächeres Sattgefühl anessen, und das hält kaum jemand über Wochen durch. Ein Defizit verlangt, weniger aufzunehmen, als der Körper verbraucht. Genau diesen Abstand macht der Schlafmangel größer, weil er die Zufuhr nach oben zieht. Der Hunger schiebt, die Sättigung bremst weniger, und die kleinen Griffe zwischendurch summieren sich.

Ein einzelner Tag mit wenig Schlaf kippt keine Bilanz. Das Problem liegt in der Wiederholung. Wer über Wochen kurz schläft, trägt jeden Tag einen kleinen Aufschlag auf die Essensmenge, und dieser Aufschlag frisst still das Defizit auf. Man tut scheinbar alles richtig und kommt trotzdem nicht voran. Der Schlaf gehört damit zu den Stellen, die den Appetit von morgen mitbestimmen.

Warum fühlt sich der stärkere Hunger ganz normal an?

Der stärkere Hunger nach wenig Schlaf fühlt sich an wie ganz gewöhnlicher Appetit, weil die Steuerung unbemerkt im Hintergrund läuft. Man weiß nicht, dass ein Signal höher und ein anderes niedriger steht. Man weiß nur, dass man hungrig ist. Deshalb legt man den größeren Appetit sich selbst zur Last und hält ihn für fehlende Beherrschung.

Das führt in die Irre. Der Hunger nach einer schlechten Nacht ist eine Antwort des Körpers, kein Nachlassen des Willens. Wer das erkennt, sucht die Ursache an der richtigen Stelle. Manchmal liegt die Ursache des größeren Appetits in der Nacht davor und nicht auf dem Teller.

Verbraucht man durch weniger Schlaf nicht auch mehr Energie?

Der kleine Mehrverbrauch durch die längere Wachzeit ist gering und gleicht den größeren Appetit nicht aus. Wachliegen kostet kaum mehr als Schlafen. Die zusätzliche Zeit auf den Beinen bringt ein paar Kalorien. Dem steht ein Appetit gegenüber, der deutlich stärker zulegt.

Dazu kommt die Bewegung am Tag. Müde Menschen bewegen sich weniger, ohne es zu wollen. Der Gang wird träger, die kleinen Wege werden seltener, man bleibt lieber sitzen. So steht auf der einen Seite ein kleines Plus im Verbrauch und auf der anderen ein größeres Plus beim Essen. Die Rechnung fällt am Ende zugunsten der höheren Zufuhr aus, nicht zugunsten des Verbrauchs.

Grenzen

Dieser Text erklärt, wie Schlaf die beiden Hungersignale verschiebt, nicht, wie stark sich das bei einem einzelnen Menschen auswirkt. Beides bleibt offen. Wie viel Schlaf jemand braucht, ist verschieden und lässt sich nicht allgemein festlegen. Wir sprechen hier über Schlaf und Appetit im Alltag, nicht über eine Erkrankung.

Wenn eine Ärztin oder ein Arzt bei Ihnen etwas festgestellt hat, das Ihren Schlaf, Ihre Hormone, Ihren Stoffwechsel oder Ihr Essverhalten betrifft, gehört das in ärztliche Hände. Das gilt etwa für eine Schilddrüsenerkrankung, für eine Essstörung oder für eine Depression, die den Appetit und den Schlaf verändern kann. Leptin ist ein Hormon, und Hormonpräparate wie auch die sogenannte Abnehmspritze sind eine ärztliche Sache; sie gehören nicht in einen Text über Schlaf.

Unsere Einschätzung

Für die Frau, die abnehmen will, sitzt der Schlaf an einer Stelle, die weiter oben entscheidet, als es aussieht. Er steuert über die Hungersignale den Appetit des nächsten Tages, und der Appetit bestimmt über Wochen mit, ob das Defizit hält. Das sichtbare Fett an der Tür liefert früh ein Bild und sagt über das Gewicht wenig. Schlaf und Hormone liefern lange kein Bild und tragen am Ende einen großen Teil. Der Blick täuscht.

Das ist unbequem, weil sich am Schlaf nichts über Nacht zeigt und weil die Waage ihn nicht abbildet. Trotzdem läuft über ihn ein Teil dessen, was den Appetit von morgen groß oder klein macht. Wer wochenlang gegen den Hunger kämpft und nicht weiterkommt, sucht die Ursache oft beim Essen, während sie zur Hälfte in der Nacht davor liegt. Der Schlaf gehört nicht zu den Dingen, die man verkauft. Er zählt zu den leisen Schrauben, an denen sich mehr dreht, als der schnelle Blick vermuten lässt.

Häufige Fragen

Wie viel Schlaf braucht es, damit sich die Signale nicht verschieben?

Eine feste Zahl gibt es nicht, die für alle gilt. Die Spanne ist breit. Die meisten Erwachsenen kommen mit etwa sieben bis acht Stunden aus, manche mit etwas weniger, manche brauchen mehr. Entscheidend ist weniger die eine perfekte Nacht als der Schnitt über die Woche. Wer regelmäßig deutlich zu kurz schläft, hält den Appetit schwerer im Zaum.

Kann ich den größeren Hunger nach einer schlechten Nacht einfach ignorieren?

Ein Stück weit gegensteuern lässt sich, ganz wegwünschen nicht. Es hilft, an solchen Tagen sättigend zu essen, mit genug Eiweiß und nicht nur schnell Verwertbarem, und die Portionen bewusst zu setzen. Der Appetit bleibt dann leichter im Rahmen. Gegen das Gefühl selbst kommt man schlecht an, weil es aus der Steuerung stammt und nicht aus der Laune.

Gleicht Nachschlafen am Wochenende die kurzen Nächte aus?

Nur zum Teil. Eine lange Nacht kann eine akute Müdigkeit dämpfen, sie stellt aber nicht her, was mehrere kurze Nächte in der Woche verschoben haben. Ein regelmäßiger Rhythmus wirkt beständiger als ein starkes Auf und Ab. Wer unter der Woche kurz schläft und am Wochenende lange, bleibt in einem Wechsel, den der Appetit mitmacht.

Macht schlechter Schlaf direkt dick?

Nicht direkt. Schlaf setzt keine Kalorien an. Er verschiebt den Appetit, und über den Appetit kann über die Zeit mehr gegessen werden, als der Körper braucht. Der Weg führt also über das Essverhalten, nicht am Essen vorbei. Deshalb zeigt sich der Zusammenhang erst über Wochen und nicht nach einer einzelnen Nacht.

Hilft mehr Schlaf beim Abnehmen?

Er nimmt einen Druck vom Appetit, mehr verspricht er nicht. Wer ausreichend schläft, hält den Hunger leichter im Rahmen und rutscht seltener in den Heißhunger nach schlechten Nächten. Von allein nimmt man dadurch nicht ab. Der Schlaf macht das Defizit leichter zu halten; herstellen muss man es weiter über das Essen und die Bewegung.

Belege

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