Ruhe

Was kann eine Vagusstimulation und was nicht?

Die bekannten Vagus-Griffe holen den Körper für einen Moment eine Stufe herunter, ein kleiner Griff zur Ruhe, den man überall dabei hat.

Stand der inhaltlichen Prüfung: · Grundlage: Schmidt, Lang, Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie, Springer; Kapitel zum vegetativen Nervensystem (beruhigende und bereitmachende Seite, der Vagus als Nervenstrang zwischen Hirnstamm, Herz und Bauchraum); kein gerätebezogener Beleg

Was als Vagusstimulation kursiert (langes Ausatmen, kaltes Wasser im Gesicht, Summen, Singen) spricht die ruhige Seite des vegetativen Nervensystems an und kann den Körper für kurze Zeit herunterfahren. Der Effekt ist klein und hält nur eine Weile; er verschiebt den Zustand, ohne ihn umzuwerfen. Eine Erkrankung geht so ein Griff nicht an, und ein Fettpolster lässt er nicht schmelzen. Die medizinische Vagusstimulation per Implantat ist etwas ganz anderes und liegt allein in ärztlicher Hand. Bleiben Beschwerden über längere Zeit, gehört das ärztlich abgeklärt.

Ein langes Ausatmen, kaltes Wasser ins Gesicht, ein tiefes Summen, ein paar laut gesungene Zeilen: Die Griffe, die als Vagusstimulation die Runde machen, holen den Körper für einen Moment eine Stufe herunter. Sie sprechen die ruhige Seite des Nervensystems an und geben ihr kurz mehr Gewicht. Als milde Selbststeuerung taugen sie; ein Fettpolster lassen sie nicht schmelzen. Wer das weiß, spart sich die Enttäuschung über das, was am Ende ausbleibt.

Was kann eine Vagusstimulation und was nicht?

Sie kann die ruhige Seite des Nervensystems für kurze Zeit ansprechen und so beim Herunterkommen helfen; eine Erkrankung ändert sie nicht, und zum Abnehmen taugt sie nicht. Die Griffe, die dafür kursieren, setzen alle am selben Punkt an. Sie geben dem Teil des Nervensystems mehr Gewicht, der den Körper herunterfährt. Für ein paar Minuten spürt man das als etwas ruhigeren Herzschlag und als weniger Anspannung. Der Zustand verschiebt sich ein Stück, er kippt aber nicht um. Was darüber hinausgeht, tragen die Griffe nicht. Im Netz wird ihnen mehr angehängt, als ein Griff halten kann.

Was ist der Vagusnerv überhaupt?

Im Körper zieht ein einzelner Nervenstrang vom Hirnstamm bis in den Bauchraum und stellt dort den ruhigen Grundton. Er heißt Vagus und ist der Faden, an dem die beruhigende Seite des vegetativen Nervensystems hängt schmidt-lang-physiologie. Dieses Nervensystem regelt, was ohne Willen abläuft, und es hat zwei Seiten. Die eine macht den Körper bereit für Anstrengung, die andere fährt ihn herunter und stellt auf Ruhe und Verdauung um. Der Vagus gehört zur zweiten. Er reicht bis zu Herz und Eingeweiden und dämpft dort das Tempo, sobald keine Anstrengung ansteht. Über ihn läuft ein guter Teil dessen, was man als Zur-Ruhe-Kommen kennt. Steht der Körper unter Druck, tritt er zurück, und die bereitmachende Seite übernimmt.

Was tun die bekannten Griffe im Körper?

Kaltes Wasser im Gesicht, langsames Ausatmen, Summen und Singen sprechen die ruhige Seite auf verschiedenen Wegen an. Kälte an Stirn und Wangen senkt den Puls ein Stück, weil der Körper auf Wasser vor dem Gesicht mit Herunterfahren antwortet. Beim langsamen Ausatmen bekommt die ruhige Seite mehr Gewicht als beim Einatmen, weshalb ein gedehntes Ausatmen den Körper herunterbringt. Summen und Singen wirken über denselben Weg, denn beides zwingt zu langem, gleichmäßigem Ausatmen. Dazu kommt die Schwingung im Kehlkopf, der vom Vagus mitversorgt wird. All das sind sanfte Anstöße. Sie schieben den Zustand in Richtung Ruhe, mehr geschieht dabei nicht.

Warum senkt kaltes Wasser im Gesicht den Puls?

Weil der Körper auf Kälte an Nase und Stirn mit einem alten Muster antwortet, das den Herzschlag drosselt. Trifft kaltes Wasser das Gesicht, meldet die Haut dort Kälte, und der Körper fährt Puls und Kreislauf ein Stück herunter. Dasselbe Muster greift, wenn man das Gesicht ins kalte Wasser taucht; es stammt aus einer Zeit, in der das Anhalten des Atems unter Wasser zählte. Der Vagus ist daran beteiligt, denn über ihn läuft das Drosseln des Herzens schmidt-lang-physiologie. Deshalb gehört der kalte Waschlappen zu den beliebten Griffen: Er wirkt rasch und braucht kein Können. Groß ist der Effekt trotzdem nicht, und er hält nur, solange die Kälte frisch ist.

Was spürt man während eines solchen Griffs?

Meist wird der Atem von selbst tiefer, die Schultern sinken, und der Kopf wird eine Spur klarer. Nach ein paar langen Ausatmern oder dem kalten Wasser stellt sich oft ein Gefühl von etwas mehr Abstand ein, als läge zwischen einem selbst und der Unruhe ein kleiner Zwischenraum. Manche spüren viel, andere kaum; das schwankt von Tag zu Tag und von Mensch zu Mensch. Ein starkes Erlebnis ist nicht zu erwarten, und es soll auch keines sein. Der Griff arbeitet leise. Wer auf einen deutlichen Umschlag wartet, übersieht das Kleine, um das es geht. Am deutlichsten fällt das Nachlassen oft eine halbe Minute nach dem Griff auf, wenn der Atem von selbst ruhiger weitergeht und man merkt, dass die erste Spitze der Anspannung schon abgeebbt ist.

Wie stark ist diese Wirkung?

Klein und von kurzer Dauer. Ein Griff holt den Körper eine Stufe herunter, für Minuten, nicht für Stunden. Der Anlass, der die Unruhe ausgelöst hat, bleibt, was er ist; was sich ändert, ist der Zustand, aus dem heraus man ihm begegnet. Von einem einzelnen Handgriff einen Umschwung zu erwarten, führt in die Enttäuschung. Der Wert liegt in der Wiederholung, im kleinen, oft gebrauchten Griff. Am ehesten trägt er, wenn man ihn übt, solange es ruhig ist, und nicht erst im größten Aufruhr danach greift. Wie weit ein solcher Griff den Zustand verschiebt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Sicher ist nur die Richtung, nicht das Ausmaß.

Wie unterscheidet sich das von der medizinischen Vagusstimulation?

Die medizinische Vagusstimulation arbeitet mit einem eingesetzten Gerät und liegt allein in ärztlicher Hand; mit den Griffen aus dem Alltag hat sie nur den Namen gemein. Bei ihr sitzt ein kleines Gerät unter der Haut, das über eine Zuleitung schwache elektrische Reize an den Nerv gibt. Ein Arzt setzt es ein und stellt es ein, und es kommt nur unter strengen Bedingungen in Frage. Das ist Medizin und gehört in ärztliche Führung, von der Prüfung bis zur Nachkontrolle. Ein Ratgeber im Netz und ein Studio haben damit nichts zu tun. Wer die beiden Dinge in einen Topf wirft, weil beide den Vagus im Namen tragen, verwechselt eine Übung fürs Wohlbefinden mit einem ärztlichen Vorgang. Was ein solches Gerät leistet und für wen es taugt, entscheidet die ärztliche Seite.

Kann man mit Vagusstimulation abnehmen?

Nein, ein Griff an den Atem oder kaltes Wasser im Gesicht verbrennt kein Fett. Der Körper gibt Fett ab, wenn er über die Zeit weniger Energie bekommt, als er verbraucht, und daran ändert kein Reiz am Vagus etwas. Was in Videos als Abnehm-Trick verkauft wird, hält der Sache nicht stand. Ein Zusammenhang zum Gewicht besteht, doch er ist mittelbar und läuft über den Zustand, in dem der Körper steht, nicht über den Griff selbst. Wer sich vom Summen oder vom kalten Waschlappen ein schmelzendes Polster verspricht, erwartet zu viel. Der Umweg über das Nervensystem ist echt, aber lang, und er ersetzt keine der Stellen, an denen sich das Gewicht wirklich bewegt.

Grenzen

Was hier steht, ist allgemeine Physiologie. Die Vagus-Griffe sind eine Übung der Selbststeuerung. Für Angst, gedrückte Stimmung, einen hohen Blutdruck oder anhaltende Beschwerden im Bauch taugt kein solcher Griff, und wo derlei über längere Zeit besteht, gehört es ärztlich abgeklärt. Das kalte Wasser ist harmlos; wer am Herzen etwas hat, hält vorher Rücksprache.

Unsere Einschätzung

Für die Frau, die abnehmen will, klingt ein Griff am Vagus nach Spielerei, und doch sitzt er näher an der Sache, als es wirkt. Ein Körper, der lange in Bereitschaft steht, hält eher fest und greift eher zum schnellen Essen. Über das Nervensystem hängt daran vieles: wann Appetit gemeldet wird, wann eingelagert und wann hergegeben wird. Die Vagus-Griffe sind dabei kein Hebel, der das Gewicht bewegt, sondern eine kleine Stellschraube am Zustand, aus dem heraus gegessen und gehalten wird. Sie wirken langsam, über Umwege, und man sieht ihnen nichts an. Genau darum werden sie über- und unterschätzt zugleich: überschätzt als Trick, unterschätzt als Teil eines ruhigeren Zustands. was am meisten entscheidet, sieht man am spätesten. Der Zustand des Nervensystems liegt am oberen Ende dieser Reihe, weit weg vom raschen Blick in den Spiegel und doch näher an der Ursache.

Häufige Fragen

Ist Vagusstimulation gefährlich?

Die milden Griffe sind harmlos. Langsames Ausatmen, Summen und Singen kann jeder gefahrlos ausprobieren. Beim kalten Wasser im Gesicht ist etwas Vorsicht angebracht, wenn am Herzen etwas bekannt ist; dann klärt man es vorher ärztlich. Das medizinische Gerät ist eine ganz andere Sache und liegt ohnehin in ärztlicher Hand.

Wie oft sollte man die Griffe machen?

Regelmäßig und in kurzen Einheiten bringt mehr als selten und lang. Ein paar Minuten, am besten in ruhigen Momenten geübt, machen den Griff vertraut, sodass er parat ist, wenn Unruhe kommt. Ein starrer Plan ist nicht nötig; wichtiger ist, dass es überhaupt ein wiederkehrender Moment wird. Viele koppeln ihn an etwas, das ohnehin jeden Tag vorkommt, an das Warten an der Ampel, den ersten Moment am Schreibtisch oder das Zubettgehen, damit er nicht in Vergessenheit gerät.

Bringt ein Vagus-Gerät für zu Hause mehr?

Kleine Geräte, die dafür verkauft werden, bleiben milde Selbststeuerung und leisten nicht das, was das ärztliche Implantat tut. Die Erwartung sollte klein bleiben. Wer sich davon einen großen Umschwung verspricht, gibt Geld für das aus, was ein langes Ausatmen ähnlich gut kann.

Hilft Summen wirklich beim Herunterkommen?

Ein wenig, ja. Summen zwingt zu einem langen, gleichmäßigen Ausatmen, und dabei bekommt die ruhige Seite des Nervensystems mehr Gewicht. Die Schwingung im Kehlkopf kommt dazu. Der Effekt ist klein und hält kurz, aber er ist echt, und man hat den Griff überall dabei.

Was hat der Vagus mit dem Abnehmen zu tun?

Unmittelbar nichts; er verbrennt kein Fett. Mittelbar sitzt er an einer Stelle, die zählt, weil das Nervensystem mitbestimmt, wann der Körper Appetit meldet und wann er festhält. Über diesen Zustand hängt der Vagus mit dem Gewicht zusammen, nicht über einen einzelnen Griff.

Belege

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