Atem

Warum ist die Atmung die direkteste Schraube am Nervensystem?

Das Zwerchfell, die Nase und der CO₂-Gehalt im Blut stellen ein, ob der Körper hochfährt oder herunterkommt. Der Atem ist der einzige dieser Vorgänge, den Sie sofort selbst führen können.

Atmen läuft weiter, auch wenn Sie nicht hinschauen. Der Atem gehört zu den wenigen automatischen Vorgängen, die Sie auch bewusst führen können. Sie übernehmen den Takt, werden langsamer, gehen tiefer, und im selben Moment verschiebt sich, wie Ihr Nervensystem den Körper einstellt. Es braucht dafür kein Gerät und keine Vorbereitung.

Drei Größen kehren dabei immer wieder. Das Zwerchfell, der Muskel unter der Lunge, übernimmt die Arbeit, wenn Sie tief in den Bauch atmen, und der Körper kommt herunter. Die Nase führt die Luft anders als der Mund. Und das CO₂ im Blut steuert mehr als nur den Reiz, wieder einzuatmen. Ob Sie hoch in der Brust oder tief in den Bauch atmen, stellt jedes Mal einen anderen Ton ein. Zusammen entscheiden diese Größen, ob das Atmen den Körper eher hochfährt oder herunterbringt.

Die Atmung arbeitet nicht am Fett selbst, sondern an dem, was Stress, Erholung und Hunger im Gleichgewicht hält. Wer ständig flach und schnell atmet, hält den Körper in einer Bereitschaft, die Appetit und Schlaf mitfärbt. Was dort ruhiger wird, entscheidet über Wochen mit, ob ein schnell erreichtes Ergebnis bleibt oder zurückkippt.

Im Hintergrund läuft ein langsames System, das Ihren Tag ordnet: Schlaf und Wachheit, Essen und Pause. Es braucht Wochen, bis sich daran etwas bewegt, und Sie kommen sonst kaum von Hand daran. Die Atmung ist die Stelle, an der Sie es unmittelbar erreichen, ohne auf den nächsten Tag zu warten. Was Sie beim Atmen beruhigen, wirkt bis in Schlaf und Appetit hinein, genau dort, wo Sie sonst schwer drankommen.

Die Art zu atmen spannt den Körper eher an oder löst ihn, im Gewebe verschiebt sich etwas, wenn der Takt sinkt, und Nase und Lymphe spielen dabei ihre Rolle. Wenn Atmung bei Ihnen mit Beschwerden verknüpft ist, etwa nächtlichen Aussetzern oder Druck auf der Brust, gehört das ärztlich abgeklärt.